IS-Komplize Erdogan. US-Abgeordneter über Türkei und Russland

 

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Foto: REUTERS/Maxim Shemetov

 

 

Die USA und die Türkei können nicht länger gemeinsam in der NATO sein. Diese Äußerung des Vorsitzenden des Unterausschusses für »Auswärtige politische Angelegenheiten mit dem Schwerpunkt Europa, Eurasien und neue Bedrohungen« im US-Kongress, Dana Rohrabacher, nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeuges durch die Türkei ist eine kleine Sensation. Zumal der Politiker Mitglied der Republikaner ist, also der Partei mit den rabiatesten Kriegstreibern vom Typ John »bombardiert alles« McCain. Dennoch kritisiert Rohrabacher auf seiner Facebook-Seite nicht nur die Obama-Administration und die Falken seiner eigenen Partei heftig, sondern stellte sich auch noch bei der Einschätzung der Türkei völlig auf die Seite Russ­lands: Sie unterstütze den Terror.

 

Der US-Regierung wirft Rohra­bacher »Inkompetenz oder einen Mangel an Willen, oder beides« bei der Bekämpfung der »ungeheuerlichen islamistischen Marodeure vor, die im Nahen Osten (…) Unmengen von unschuldigem Blut vergießen«. Zugleich würden der Öffentlichkeit »nicht die radikalen Islamisten, sondern die Russen als die größten Bösewichte präsentiert«. Er empfinde es als »Travestie«, wenn »die Russen mutig gegen den ›Islamischen Staat‹ (IS) in die Bresche springen und dafür Applaus von uns verdient hätten, aber statt dessen verunglimpft werden. Als wären die Russen und nicht die islamistischen Terroristen darauf aus, bei jeder Gelegenheit Amerikaner zu ermorden.«

 

Rohrabacher zeigt volles Verständnis für Russlands Vorgehen, selbst wenn es alles dafür tue, »um Syriens autoritäres Assad-Regime zu schützen, zu dem Moskau enge Beziehungen unterhält. Ja und? Wie zuvor bei Iraks Saddam Hussein stellt Assad keine Bedrohung für die Vereinigten Staaten oder die westliche Welt dar. Aber wenn Assad von der Macht verdrängt wird, dann wird er letztendlich durch einen islamistischen Terroristen ersetzt.«

 

Völliges Unverständnis zeigt der Politiker dagegen für den Beistand aus beiden großen US-Parteien »für das türkische Regime, das immer stärker die radikalislamistische Bewegung unterstützt«. Er beschuldigt namentlich den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan »der Komplizenschaft mit dem IS, wofür es reichlich Beweise gibt«. Er fragt: »Warum ignoriert« das außenpolitische US-Establishment »die feindlichen, proterroristischen Manöver des türkischen Machthabers Erdogan?« Seine Schlussfolgerung: »Wenn in dieser Situation die Mitgliedschaft in der NATO bedeutet, Erdogan zu schützen, dann sollte entweder er nicht mehr in der NATO sein oder wir«.

 

Fast gleichzeitig mit Rohrabachers Äußerungen warnte der ehemalige US-Oberkommandierende der NATO in Europa, General Wesley Clark, vor dem Engagement der USA in Syrien: »Der IS ist nicht nur eine Terrororganisation, er ist eine sunnitische Terrororganisation. Das bedeutet, dass er auf Schiiten zielt. Und das bedeutet, dass er den Interessen der Türkei und Saudi-Arabiens dient«. Langsam mehren sich auch in den USA die kritischen Stimmen.

 

Quelle: JungeWelt