Deutsche Woche in St. Petersburg: „Wir setzen weiterhin auf Russland“

 

«Verantwortung, Dialog und Offenheit» lautet das Motto der Deutschen Woche, die am Mittwoch in St. Petersburg eröffnet wurde. Der Wirtschaftsdialog gehört traditionell zu den wichtigsten Tragsäulen dieser Beziehungen.

 

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Die Broschüre zur „Deutschen Woche 2016“

 

Am Donnerstag präsentiert sich das Land Brandenburg als ein wichtiger Wirtschaftsstandort für den deutsch-russischen Handel. Dabei komme ein sehr breites Spektrum von Branchen in Frage, sagt Jens Ullmann, Außenhandelsexperte der Industrie- und Handelskammer, gegenüber Sputnik. Die aktuelle Lage werde daher mit Sorge gesehen: „Die Wirtschaftsbeziehungen Brandenburgs mit Russland sind entsprechend dem Trend der deutsch-russischen Beziehungen zurückgegangen, seit 2013 sind die Exporte nach Russland um ein Drittel gesunken. Das tut natürlich weh. Einige Firmen sind auch in ihrer Existenz bedroht. Insofern sehen wir die aktuelle Lage mit Sorge und hoffen, dass Besserung eintritt und die EU Wege findet wird, das Sanktionsregime zu erleichtern.“

 

 

„Trotzdem Licht am Ende des Tunnels“

 

Am Treffen mit dem Partnerland Brandenburg nimmt die St. Petersburger Filiale der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer teil. Diese stelle anhand ihrer Umfragen schon eine getrübte Stimmung der deutschen Wirtschaft fest, sagt der Delegierte der Deutschen Wirtschaft Dr. Christian Altmann für Sputnik: „Es gibt knapp 6.000 deutsche Unternehmen, die in Russland aktiv sind, rund 80 davon sind Mitglieder der Auslandshandelskammer. Zwei Drittel der Firmen fühlen sich von den Sanktionen betroffen, wie wir in unserer Umfrage festgestellt haben.“ Das könne man aber auch positiv formulieren, so Altmann weiter: „90 Prozent der Unternehmen halten auch unter sehr schwierigen Bedingungen dem russischen Markt die Treue. Wir gehen davon aus, dass 2016 anspruchsvolles und schwieriges Jahr ist. Aber ich persönlich sehe dadurch auch Licht am Ende des Tunnels.“

 

Mit Blick auf den aktuellen russischen Markt stellt Altmann positive Entwicklungen fest: „Russland ist weiterhin ein wichtiger strategischer Wirtschaftspartner für die Bundesrepublik. Die Investitionsbedingungen und die Wirtschaftsbedingungen sind in Russland oftmals besser als ihr Ruf. Auch im sogenannten Doing-Business-Index der Weltbank rückt Russland immer weiter nach vorne, was zeigt, dass der Standort attraktiver wird.“

 

 

„Europäische Partnerschaft ohne Russland nicht vorstellbar“

 

Russland bleibe ein wichtiger Partner für Deutschland, betonen beide Wirtschaftsvertreter. Zu den langfristigen Projekten, auf die man aus ihrer Sicht unbedingt hinarbeiten muss, gehört die gemeinsame Wirtschaftszone von Lissabon bis nach Wladiwostok. Jens Ullmann weist auf die strategische Bedeutung dieses Zieles hin: „Wir wissen natürlich, dass das nicht von heute auf morgen umsetzbar ist, gar nicht in der augenblicklichen Situation. Aber wir sollten dieses strategische Ziel nicht aus dem Auge verlieren, da die europäische Wirtschaftspartnerschaft ohne Russland nicht zu machen ist.“

 

Auch Christian Altmann hält die Wirtschaftszone von Lissabon bis nach Wladiwostok für „eine tolle Vision“: „Wir werden gemeinsam mit unseren Mitgliedsunternehmen alles dafür tun, dass es schrittweise in diese Richtung geht. Die Schritte bis dahin erfordern aber nicht nur guten Willen, sondern auch harte Arbeit. Aber das ist ein Ziel, auf das wir gemeinsam hinarbeiten sollten. Ich kann nur nochmal sagen, Russland ist für die Bundesrepublik Deutschland ein sehr wichtiger strategischer Partner, auf den wir entsprechend auch mit Hinblick auf die große Wirtschaftszone setzen werden.“

Quelle: Sputniknews