Die jüngste Äußerung des früheren Nato-Chefs Anders Fogh Rasmussen, wonach die Welt die USA als den Weltpolizisten brauche, ist im Auswärtigen Ausschusses des russischen Föderationsrats (Oberhaus) auf scharfe Kritik gestoßen, schreibt Sputnik.
Ausschusschef Konstantin Kossatschow sagte der russischen Tageszeitung „Iswestija“, der einstige Nato-Chef wolle „päpstlicher als der Papst“ aussehen. Rasmussen wolle also ein größerer Atlantist und Falke sein als „jene Supermacht hinter dem Atlantik, an die er sich mit seinen Appellen wendet“.
Rasmussen hatte kürzlich dem Sender Sky News gesagt:
„Ich denke, Präsident Obama war zu unwillig, die Militärgewalt anzuwenden bzw. anzudrohen, um Konflikte in der Welt zu verhindern (…) Wir brauchen Amerika als den Weltpolizisten. Wir brauchen eine entschlossene globale amerikanische Führung.“
Kossatschow kommentierte weiter:
„Diese Ideen im Sinne des Orwellschen ‚Zwiedenkens‘, wonach man unbedingt einen Weltpolizisten und einen Diktator braucht, um die Freiheit zu schützen, finden vorwiegend bei manchen Vertretern kleinerer europäischer Staaten längst Anerkennung. Ohne den ‚Großen Bruder‘ würden sie sich halt ungemütlich fühlen. Es wäre ja dann unmöglich, etwa mit Russland von einer Position des Stärkeren aus zu reden. Man würde sich verständigen müssen, anstatt jedes Mal mit der Knüppel von Sanktionen und ultimativen Forderungen zu schwingen.“
„Die kommende Multipolarität braucht keine Polizisten, sondern Verfahren, um Interessen zu vereinbaren. Doch nicht alle wollen sich verständlicherweise von jener Situation verabschieden, als Ordnung von Einzelnen bestimmt wurde“, so der russische Parlamentarier.
„Es stellt sich nicht zum ersten Mal heraus: Die Kämpfer für Demokratie in der Welt selbst mögen keine Demokratie in den internationalen Beziehungen und sind in diesem Bereich oft die eifrigsten Verehrer des Autoritarismus. Sie reagieren äußerst nervös auf die Versuche, die Verhältnisse in der Welt real zu demokratisieren und zu liberalisieren“, äußerte Kossatschow.
Sein Vize im Ausschuss, Wladimir Dschabarow, sagte dem Blatt:
„Die Worte des früheren Nato-Chefs sind ein Beleg dafür, dass die USA eine unipolare Welt aufbauen wollen. Russland ist gegen eine solche Politik. Für die Konfliktregelung gibt es ein spezielles Gremium, und zwar den UN-Sicherheitsrat. Rasmussen sollte offensichtlich die Charta der Vereinten Nationen studieren.“
Laut Dschabarow stimmen viele Nato-Mitglieder wie beispielsweise Frankreich und Ungarn dem Standpunkt von Rasmussen nicht zu:
„Nur bei den baltischen Ländern sowie bei jenen Nato-Newcomern, die ihre Souveränität den USA übertragen haben, kann diese Politik Unterstützung finden.“