Die gute Zusammenarbeit zwischen Moskau und Peking stößt bei den US-NeoCons auf wenig Gegenliebe. Der Kalte Krieger Kissinger versucht nun über Trump Russland von China zu trennen und Moskau in die westliche Architektur einzubinden.

Von Marco Maier
Der Kriegsverbrecher und Ex-US-Außenminister Henry Kissinger ist für seine Intrigen und sein strategisches Denken bekannt. Angesichts dessen, dass Donald Trump die Beziehungen zu Moskau verbessern versucht und sich (neben dem Iran) vor allem auch China einschießt, sieht der heutige «Berater» darin eine hervorragende Möglichkeit, die Beziehungen zwischen Moskau und Peking möglichst nachhaltig zu beschädigen – und hofft dabei auf die US-freundlichen Kräfte in den russischen Elitenkreisen.
Die Volksrepublik China, die sich bislang stets aus sämtlichen internationalen Konflikten heraushielt und auf den Ausbau von Handelsbeziehungen rund um den Erdball setzte, um so den Wohlstand im Land zu mehren, musste in den letzten Jahren massiv aufrüsten, weil die US-Provokationen gegen Peking und die Ansprüche Washingtons auf das Südchinesische Meer als Gebiet des nationalen Interesses für die Vereinigten Staaten die Spannungen zwischen beiden Ländern immer weiter erhöhten. China, welches die Armee stets als Verteidigungsarmee konzipierte (um Angriffe wie jene Japans im vorigen Jahrhundert abzuwehren), musste nun hingehen die militärischen Kapazitäten massiv auszuweiten. Doch weder Russland noch die USA müssen nicht damit rechnen, dass die chinesische Führung einen Krieg vom Zaun brechen wird.
Doch Kissinger, der sich Trump geradezu als «Berater» aufdrängt, möchte die sich nun bietende Gelegenheit dazu nutzen, Russland auf die Seite der Vereinigten Staaten zu ziehen und dem Kreml zu verklickern, es gäbe eine «chinesische Bedrohung». Denn die «strategische Partnerschaft» zwischen Moskau und Peking verhindert derzeit einen effektiven Schlag der Amerikaner gegen das Reich der Mitte. Doch Kissinger weiß – wie auch die Pentagon-Strategen – dass den Amerikanern die Zeit davon läuft. Noch könnten die US-Truppen China (wenngleich auch unter hohen Verlusten) schlagen. In ein paar Jahren sieht dies jedoch – ungeachtet der eigenen Aufrüstung – komplett anders aus. Gewinnt man jedoch Russland für ein Bündnis mit dem Westen, dann in die Volksrepublik völlig eingekreist.
Allerdings würde Russland als Teil der westlichen Allianz zusehen müssen, wie die eigene Souveränität sukzessive erodiert – genauso wie es die anderen Länder erleb(t)en, die sich in die Fänge des US-Establishments begaben. Denn wer Teil des «Westens» ist, muss sich auch den Regeln Washingtons fügen. Das einzige Land in der westlichen Allianz, welches eine unabhängige Außen- und Wirtschaftspolitik hat, sind die Vereinigten Staaten von Amerika selber. Der Rest hat sich darauf hin auszurichten. Doch genau das kann nicht im Interesse Russlands liegen, welches dann lediglich zu einem Spielball der fremden Interessen des US-Establishments wird – eine passive Marionette anstatt einer einflussreichen unabhängigen Macht.