
Nach dem Sieg des als europafreundlich angesehenen Emmanuel Macrons hofft Europa auf Reformen, die Frankreich und auch Europa zu neuem Glanz verhelfen. Neben dem Freudentaumel über den Sieg gegen die Europa-Feinde finden sich auch zurückhaltende Töne in Brüssel, die zur Vorsicht mahnen.
Europa atmete auf, als der als europafreundlich geltende Emmanuel Macron in der Stichwahl am Sonntag gegen die nationalkonservative Marine Le Pen die französische Präsidentschaftswahl gewann. Macron wurde mit seinen 39 Jahren der jüngste Präsident aller Zeiten. Mit 66 Prozent der Stimmen ging er als Sieger gegen Le Pen hervor. Von dem parteilosen liberalen Franzosen erhofft sich Europa einen Neuanfang hin zu glorreicheren Zeiten. Die Front-National-Politikerin fand am Sonntag nur bei 34 Prozent der Franzosen Zuspruch. Fast alle Stimmen waren am Montag Morgen ausgezählt. Der stellvertretende EU-Parlamentspräsident Alexander Graf Lambsdorff hat den künftigen französischen Staatschef Emmanuel Macron aufgefordert, sein Land grundlegend zu reformieren. Gegenüber der dpa sagte Lambsdorff:
Als sozialliberaler Modernisierer muss Macron frischen Wind in die verkrustete französische Politik und Wirtschaft bringen. Nur so kann die Grande Nation auch wirtschaftlich wieder ein starker Partner für Deutschland in Europa sein.
Die Börsen in Asien und Australien spiegelten am Montag die Erleichterung Europas wieder. Der Nikkei-Index in Tokio zeigte für 225 führende Werte nach dem Vormittagshandel einen Aufschlag von 349,49 Punkten oder 1,8 Prozent bei 19 795,19 Punkten. Auch die Aktienmärkte in Sydney, Seoul und Hongkong begannen den Handel deutlich im Plus.
Zur Niederlage von Le Pen sagte Lambsdorff:
Die Wähler erkennen, dass Rechtspopulisten nie Lösungen anbieten, sondern nur hohle Phrasen — das wird auch die AfD zu spüren bekommen.
Jens Geier, führender SPD-Europaabgeordneter, warnte vor einem verfrühten Optimismus:
Es ist äußerst bitter, dass Millionen Stimmen an die rechtsradikale EU-Feindin Marine Le Pen gegangen sind.
Von der EU forderte er eine Kursänderung, um nationalistischen Kräften begegnen zu können. Die Sorgen der EU-Bürger lägen in der Globalisierung und der Sparpolitik, die vor allem von Deutschland ausginge.
Nationalisten und Rechtsradikale wie Marine Le Pen ziehen ihre zerstörerische Kraft aus den Abstiegsängsten der Menschen.
Es bedürfe einer Standardisierung der Arbeitnehmerrechte, des Umwelt- und Verbraucherschutzes. Über 11 Millionen Franzosen hatten für Le Pen gestimmt. Sie hat es geschafft den Front National salonfähig und zur größten Oppositionskraft zu machen. Während des Wahlkampfes hatte Macron betont sich weder rechts noch links positionieren zu wollen. Bisher aber hat Macron nur ein Viertel der Franzosen hinter sich. In der Stichwahl stellte er für viele Wähler lediglich das kleinere Übel dar. Der Eurokurs stieg allerdings nur kurz über die Marke von 1,10 US-Dollar.