Visafreiheit für Ukraine heißt: Billige Arbeitskräfte und illegale Waffen für die EU

Endlich das Land verlassen: Unzählige ukrainische Bürger können nun ihren Traum realisieren und visumsfrei in die EU einreisen. Das russische Portal Svobodnaja Pressa (zu Deutsch: Freie Presse) warnt jedoch vor Konsequenzen der Visumerleichterung – sowohl für die EU als auch die Ukraine selbst.

Es ist Mitternacht am 11. Juni. Mit einem Schlag erhalten die Ukrainer das Recht auf visumsfreie Reisen in den Schengen-Raum. Um 15 Uhr des folgenden Tages berichten die lokalen Medien mit Freude: Zum jetzigen Zeitpunkt sind bereit 1100 Ukrainer ohne Visum aus dem Land ausgereist! Die Grenze wurde gar noch öfter passiert! Schon vier Millionen Anträge auf biometrische Reisepässe wurden gestellt!

Natürlich, wenn man das Gesetz genau befolgt, dann kann sich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung über die Visumerleichterung erfreuen – jener, der nach Europa in den Urlaub oder auf Geschäftsreise fährt. Denn gemäß der geltenden Gesetzgebung gilt die visumsfreie Einreise nur für 90 Tage innerhalb eines halben Jahres — und eben für touristische bzw. geschäftliche Zwecke. Und eine Erlaubnis auf Arbeit und Ausbildung in der EU gibt es ohne Visum ja dennoch nicht. Warum also feiern alle diesen Tag?

Weil in der Realität alles anders ist. Im Ausland ist es immer leichter, einen Job zu finden. Aber zum Teil auch illegal. Nicht ohne Grund zittern schon lange in Europa arbeitende Moldauer vor Angst. Jetzt erwartet sie ja eine noch größere Konkurrenz!

Derzeit sind nach offiziellen Angaben schon etwa sechs bis acht Millionen Ukrainer im Ausland beschäftigt. Zudem planen rund 20 Prozent der restlichen arbeitsfähigen Bevölkerung – also jeder Fünfte –, seinen Gehalt im Ausland zu verdienen. Und am besten unter Umgehung des Gesetzes, ohne irgendwelche Papiere auszustellen oder Steuern zu zahlen. In Deutschland zählen gerade die Ukrainer zu einer der größten Gruppen der „Schatten“-Arbeiter.

Knapp ein Drittel der ausreisenden Arbeitssuchenden hat eine höhere Ausbildung. Erstmal in Europa angekommen, müssen sie allerdings mit Erstaunen feststellen, dass dort niemand auf ukrainische Ökonomen, Manager, Ärzte, Ingenieure oder andere Spezialisten wartet, und sich dann einen minderqualifizierten Job suchen.

Die EU braucht ja billige und gutmütige Arbeitskräfte. Und in der europäischen „Nahrungskette“ befinden sich die Ukrainer derzeit auf dem untersten Platz. Der Großteil der ukrainischen Bürger (36 Prozent) zieht beispielsweise nach Polen. Warum? Es ist ja bei Weitem nicht das wohlhabendste Land in Europa.

Aber genau hierin liegt der Grund. Als Polen der EU beitrat, verließ eine riesige Zahl an arbeitssuchenden Bürgern das Land. Sie kamen nach Deutschland, Italien, Österreich, Frankreich…

…Niemand wollte für wenige hundert Euro arbeiten. Und jetzt lädt Polen die ukrainischen Bürger, die dafür bereit sind und diese Lücken füllen sollen, ins Land ein. Ihnen scheinen diese Bedingungen, unter denen die Polen unter keinen Umständen arbeiten würden, durchaus akzeptabel zu sein.

Die zweite unerfreuliche Tendenz: Die Zahl der sich von der Ukraine abwendenden jungen Bevölkerung steigt.

Nach Angaben einer internationalen Personalvermittlungsagentur in der Ukraine wollen 47 Prozent der jungen Menschen bis 30 Jahre im Ausland einen Job suchen. 42 Prozent denken darüber nach und nur vier Prozent wollen definitiv in ihrer Heimat bleiben.

Dazu kommt: Gemeinsam mit der Visumsfreiheit für die ukrainischen Bürger entspringt ein neuer Strom – von Waffen und Kriminalität.

Die Ukraine war schon lange ein Kanal für Waffenschmuggel über Rumänien nach Westeuropa. Die Waffen kamen aus Kampfzonen zu ukrainischen kriminellen Gruppierungen, die die Mafia mit Munition ausrüsteten. Vor nicht allzu langer Zeit filmten Reporter des britischen TV-Senders Sky News undercover ein Gespräch mit rumänischen Waffenhändlern. Jene zeigten ihnen Dutzende Gewehre und Pistolen in dem Kofferraum eines Autos und erzählten, dass sie diese aus der Ukraine bekämen. Sie versicherten, so viele Waffen, wie man braucht beschaffen zu können. Egal ob Minen, Granaten oder Flugabwehr-Raketensysteme.

Mit der Abschaffung der Visumspflicht ist es leichter, Waffen in die EU einzuschmuggeln: Sämtliche Fahrzeuge, die Recht auf ein ungebremstes Einreisen haben, werden bei der Grenzkontrolle ja nicht überprüft.

Deshalb wird die Visumsfreiheit ein Test sein – sowohl für Europa als auch für die Ukraine, deren Bevölkerung fieberhaft und hastig ihre Koffer packt.

 

 

 

 

Quelle: Sputnik