Stoiber: „Der Islam gehört für mich nicht zu Deutschland“

Edmund Stoiber zieht offenbar noch immer. Obwohl der 75-Jährige kein offizielles Amt mehr inne hat, hat der ehemalige bayrische Ministerpräsident rund 500 Menschen ins Bräustüberl gelockt. 

Tegernsee – Das Tegernseer Bräustüberl ist bis auf den letzten Platz besetzt. Die Luft knistert förmlich. Einerseits, weil Temperaturen jenseits der 40 Grad herrschen – andererseits wohl, weil „Er“ jeden Moment einmarschieren wird: der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber. Vom Eingang ist plötzlich vereinzeltes Klatschen zu vernehmen, das, als er für alle Anwesenden zu sehen ist, in tosenden Applaus übergeht. Als Stoiber schließlich auf dem Podium am „Stammtisch“ Platz genommen hat, herrscht vor selbigem reges Gedränge. Fotografen und Fans reißen sich um Schnappschüsse vom CSU-Ehrenmitglied. Ein Pressevertreter fragt ihn nach seinem Wohlbefinden. „Guad“, sagt Stoiber. „Des seng’s ja.“

Wegen des großen Andrangs musste die Veranstaltung in einen größeren Raum verlegt werden

Bis zum Oktober des Jahres 2014 war Stoiber ehrenamtlicher Leiter der Gruppe zum Bürokratieabbau auf europäischer Ebene – inzwischen hat der 75-Jährige kein offizielles Amt mehr inne. Trotzdem: Er kann es noch. Stoiber mobilisiert seine Parteifreunde wie kaum ein anderer. So kommt es nicht von ungefähr, dass sich zur CSU-Wahlkampfveranstaltung „Der Stammtisch“ am Mittwochabend rund 500 Personen eingefunden haben. „Wir mussten heute Nachmittag kurzfristig die Räume tauschen“, sagt Braustüberl-Wirt Peter Hubert. Schließlich hat CSU-Bundestagsabgeordneter und Geburtstagskind Alexander Radwan mit Stoiber das Zugpferd schlechthin mitgebracht.

„Der Islam gehört für mich nicht zu Deutschland“

Und der hält immer wieder flammende Plädoyers für Europa – in seiner für ihn typischen Manier. Mit den Worten „Wir haben nur zusammen eine Zukunft. Oder nicht“, spricht sich der 75-Jährige für eine gesamteuropäische Lösung der Flüchtlingskrise aus. Schließlich würden die „500 Menschen in Europa“ – unterbrochen von einem charakteristischen „äh“ – „500 Millionen Menschen in Europa“ laut demografischer Prognosen immer weniger. Auch die abendländischen Werte will Stoiber geschützt wissen. Deutschland sei vom Christentum geprägt, der Islam hingegen habe zur Entwicklung des Landes nichts beigetragen. Mit dem Satz „Der Islam gehört für mich nicht zu Deutschland“ bringt Stoiber seinen Gedanken zu Ende. Abermals erfüllen schallender Applaus und sogar Jubelrufe die Hallen des Bräustüberls.

Immer wieder schießen Passanten Fotos von Stoiber

Seine Gedanken unterbreitet der Kanzlerkandidat von 2002 seiner Zuhörerschaft nicht nur mit markigen Worten, sondern auch wild gestikulierend. Das bleibt Moderator Jo Fechner nicht verborgen: „Jetzt wissen Sie, warum Stoiber ein Handmikro braucht. Sonst könnte er nicht mit den Händen reden.“ Erkannt hätten ihn die übrigen Bräustüberl-Besucher, die auf dem Weg zur Toilette das Podium passieren müssen, aber wohl auch so. Beinahe im Minutentakt zücken Klo-Gänger ihre Smartphones, um die Anwesenheit Stoibers in Tegernsee bildlich festzuhalten – nur wenige Kilometer entfernt von Wildbad Kreuth. Dort, wo er im Jahr 2007 als Ministerpräsident abgesägt wurde.

Am Ende gab Stoiber ein Autogramm auf einem Bierfuizl

Dass dies seiner Popularität einen Abbruch getan hätte, lässt sich am Mittwochabend nicht feststellen. Ganz im Gegenteil. Sämtliche Fragen aus dem Publikum richten sich an den 75-Jährigen – sei es zur Flüchtlingskrise oder außenpolitischen Themen wie der Türkei oder der Sanktionierung Russlands. Das kurioseste Ereignis des Abends hält jedoch das Ende der Veranstaltung bereit: Nachdem Fechner den Stammtisch geschlossen hat, drängt ein Zuhörer mit einem Bierfuizl bewaffnet auf Stoiber zu und fordert ein Autogramm. Der Polit-Popstar unterschreibt bereitwillig.

 

Quelle: Merkur.de