Contra Magazin: Israel gibt verdeckte Beziehungen zu Saudi-Arabien zu

Nach dem Leak eines Dokuments an die israelischen Botschafter weltweit, welches zur Unterstützung Saudi-Arabiens aufruft, gibt Tel Aviv nun offiziell verdeckte Beziehungen zum wahhabitischen Königreich zu.

Von Marco Maier

Schon seit vielen Jahren unterhalten Israel und Saudi-Arabien verhältnismäßig gute Beziehungen zueinander, zumal sie beide den Iran (und dessen Alliierten, wie z.B. die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah) als Feinde betrachten. Auch wenn die Beziehungen gewiss nicht ganz friktionsfrei verlaufen, zumal die Saudis auch immer wieder palästinensische Organisationen unterstützen, so gibt es eben doch auch ein übergeordnetes Ziel: Den Einfluss des Irans in der Region möglichst zu reduzieren.

Gab es erst kürzlich einen Leak zu einer Depesche des israelischen Außenministeriums an alle Botschafter des Landes weltweit, die Saudis in ihren Bemühungen rund um die Isolation des Libanons zu unterstützen (wir berichteten), so wird nun auch öffentlich die Zusammenarbeit zugegeben – was bislang ja nicht der Fall war.

Denn die israelische Zeitung «Haaretz» berichtet nun mit einer Headline: «Israel Has Secret Contacts With Saudi Arabia, Senior Minister Reveals» («Leitender Minister gibt zu: Israel hat geheime Kontakte mit Saudi-Arabien»). Im Artikel heißt es: «Energieminister Yuval Steinitz sagte am Sonntag, dass Israel angesichts gemeinsamer Bedenken zum Iran verdeckte Kontakte mit Saudi-Arabien pflegt, eine erste Öffentlichmachung von einem führenden israelischen Regierungsvertreter zu solchen Kontakten. In einem Interview mit dem Army Radio wurde Steinitz gefragt, warum Israel seine Verbindungen mit Saudi-Arabien versteckt, welches keine diplomatischen Beziehungen mit Israel pflegt».

Daraufhin antwortete der Minister: » Wir haben Beziehungen mit vielen muslimischen und arabischen Ländern, die in der Tat teilweise verdeckt sind, und wir sind üblicherweise die Partei die nicht beschämt ist. Es ist die andere Seite die daran interessiert ist, diese Beziehungen zu verschweigen. Mit uns, üblicherweise, gibt es kein Problem, aber wir respektieren den Wunsch der anderen Seite, wenn diese Beziehungen sich entwickeln, ob dies nun mit Saudi-Arabien oder mit anderen arabischen Ländern oder andere muslimischen Ländern ist, und da gibt es viel mehr … aber wir halten das geheim».

Eben erst zitierte die israelische «i24NEWS» Stellungnahmen des Generalstabschefs der Israel Defense Forces, Generalleutnant Gadi Eizenkot, die dieser im Interview mit einer saudi-arabischen Zeitung machte. Demnach sei Israel dazu bereit, Geheimdienstmaterial mit Riad zu teilen, welches den gemeinsamen Erzfeind Iran betrifft. Der General bezeichnete den Iran als die «größte Bedrohung für die Region» und betonte, dass Israel und Saudi-Arabien komplett damit übereinstimmen würden, dass der Iran versuche den Nahen Osten zu dominieren. Der Iran wolle dort zwei islamische Halbmonde formen, «vom Libanon zum Iran und dann vom Golf zum Roten Meer». Und weiter: «Wir müssen verhindern, dass dies geschieht».

Nun stellt sich die Frage, wie es mit dieser sich bildenden Allianz weitergeht, zumal mit Kronprinz Mohammed Bin Salman bald ein König den saudi-arabischen Thron besteigen wird, der einerseits die Macht des wahhabitischen Klerus beschneiden will, andererseits auch außenpolitisch äußerst aggressiv vorgeht, um die Vormachtstellung seines Landes in der Region voranzutreiben.

Quelle: Contra Magazin