Eine mangelhafte Reparatur könnte die Ursache für die Havarie des U-Boots „ARA San Juan“ sein. Diese Auffassung äußerte ein U-Boot-Mann, der 35 Jahre lang bei der argentinischen Marine gedient hat, gegenüber Sputnik. Inzwischen befassen sich die argentinischen Medien mit einer anderen Version des Unfalls.
„Ich bin überzeugt, dass die Reparatur vor einigen Jahren in Buenos Aires schlecht ausgeführt wurde», sagte der U-Boot-Mann, der nur seinen Vornamen, Oscar, nennen wollte. Er habe auf dem vermissten U-Boot den Großteil seines Militärdienstes verbracht, fügte er hinzu.
Die Generalreparaturen am U-Boot „ARA San Juan», das 1982 gebaut wurde und ein Jahr später vom Stapel lief, wurden im Dezember 2008 und im Juni 2014 auf der Hochseewerft in Buenos Aires durchgeführt. Zweck der Reparaturen war, die Einsatzdauer des U-Bootes zu verlängern, die normalerweise etwa 30 Jahre ausmacht.
„Sie sollten es (das U-Boot — Anm. d. Red.) in zwei Teile zerteilen und diese später zusammenschweißen», so Oscar. Nachdem das U-Boot das Reparaturdock 2014 verlassen habe, habe es darin immer wieder Störungen gegeben.
Inzwischen behandeln argentinische Medien eine andere mögliche Ursache des Verschwindens von „ARA San Juan», nämlich eine Explosion. Zuvor hatte der Marine-Sprecher Enrique Balbi mitgeteilt, die „hydroakustische Anomalie» im Gebiet der letzten bekannten Position der „ARA San Juan» sei typisch für eine Explosion.
Dem Nachrichtenportal m24.ru zufolge sollte das U-Boot sich mit einem Munitionsbestand auf seine letzte Reise begeben. Die wichtigsten Waffen des U-Bootes seien 16 Torpedos vom Typ SST-4 deutscher Produktion und sechs US-amerikanische Torpedos vom Typ Mark 37. Die letzteren hätten einen umstrittenen Ruf, denn die darin eingesetzten Silber-Zink-Batterien seien oft überhitzt worden, sagte ein U-Boot-Experte dem Webportal. In einigen Fällen sei es sogar zum Entflammen und zu spontanen Explosionen gekommen.
Der Experte verwies dabei auf die Katastrophe, die 1968 auf dem U-Boot „USS Scorpion» passierte und die vermutlich auf die Detonation eines Mark-37-Torpedos zurückzuführen war. Nach dem Unfall habe die US-Navy die gefährlichen Mark 37 mit den sichereren Mark 48 ersetzt. Die risikoreichen Torpedos vom Typ Mark 37 seien modernisiert und an die Streitkräfte von Entwicklungsländern, darunter auch an Argentinien, übergeben worden, so der Experte.
„Bei einer Detonation des Munitionsbestandes hat die Besatzung mit 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit keine Zeit, der Zentrale etwas mitzuteilen. Sie wird nicht einmal begreifen können, was passiert ist», sagte er. Das sei gerade der Fall bei der Katastrophe auf dem russischen U-Boot „Kursk» gewesen, so wie wahrscheinlich auch auf dem U-Boot „USS Scorpion».
Am Donnerstag hatten argentinische Nachrichtenagenturen berichtet, dass der Zerstörer „Alte Brown» und die Korvette „Espora» ein aktives Funkfeuer von „ARA San Juan» bestätigt haben. Es wurden die Koordinaten des Funkfeuers angegeben mit dem Verweis darauf, dass das U-Boot in einer Tiefe von 200 bis 400 Metern auf dem Grund liege. Das argentinische Militär kommentierte diese Informationen jedoch nicht.
Zu dem 65 Meter langen und sieben Meter breiten Diesel-U-Boot aus deutscher Produktion war am 15. November der Kontakt abgebrochen, als es mit 44 Menschen an Bord zu seinem Stützpunkt in Mar del Plata schwamm. Am Sonntag berichtete das argentinische Militär, Notsignale empfangen zu haben, die möglicherweise von der vermissten „ARA San Juan» stammten. Der Kontakt habe aber nicht hergestellt werden können.
Quelle: Sputnik