Kampfjets und Hubschrauber, Panzer und Flugabwehrsysteme – die russische Rüstungsindustrie hat seit Beginn 2017 für die Armee und Flotte rund 3500 Einheiten Militärtechnik modernisiert und hergestellt.
Im Rahmen des Staatsauftrags hat das Verteidigungsministerium an die Einheiten und Verbände in ganz Russland verschiedene Systeme und Komplexe geliefert – von den neuesten Kampfjets Su-35 der Generation 4++ bis zu modernisierten Panzern T-72B3 mit automatischem Getriebe. Große Lieferungen sind auch im Dezember zu erwarten. Ausführlicher über einige neue Modelle der russischen Armee – im Artikel von Andrej Stanawow.
Das Ausmaß der Umrüstung ist beeindruckend – 16 Kampfschiffe, 190 moderne Flugzeuge und Hubschrauber, 800 Panzer und Schützenpanzerwagen, 170 Flugabwehr- und Raketenabwehrsysteme, 1950 Mehrzweckfahrzeuge. Diese Kennzahlen wurden in dieser Woche von Präsident Wladimir Putin bei Sitzungen mit der Führung des russischen Verteidigungsministeriums und der Rüstungsfirmen genannt. Ihm zufolge wird der Anteil der modernen Waffen und Technik zum Jahresende bis auf fast 60 Prozent erhöht.
Mit und ohne Flügel
Den Luft- und Weltraumstreitkräften wurde 2017 besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Der Favorit ist der Mehrzweck-Kampfjet Su-35S der Generation 4++, er werden jeweils gleich mehrere Maschinen geliefert. Die Flugzeuge fliegen vom Werk in Komsomolsk am Amur direkt zu ihren künftigen Stützpunkten. Es handelt sich um den am meisten vervollkommneten Kampfjet in der russischen Armee.

Zudem bekommt die russische Armee jetzt die Su-30SM und die Angriffsflugzeuge Su-34. Die beiden sind Stars der syrischen Kampagne, in der sie auf die radikalen Islamisten hunderte Tonnen Bomben abwarfen. Darüber hinaus werden mit Su-34-Flugzeugen jetzt auch trägergestützte Fliegerkräfte ausgerüstet. Die Lieferungen der Jagdbomber Su-34 sollen im Rahmen des Staatsauftrags bis 2020 erfolgen. Diese Maschinen zeichnen sich durch die ungewöhnliche Anordnung der Cockpit-Sitze (Piloten sitzen nebeneinander) und eine verstärkte Flügelkonstruktion aus. Das Flugzeug nimmt acht Tonnen Bomben und Raketen an Bord und entwickelt eine Geschwindigkeit von bis zu 2000 km/h, sein Aktionsradius erreicht bis zu 4000 Kilometer.
Im Jahr 2017 kehrten nach der Modernisierung mehrere Abfangjäger MiG-31BM in die Luftstreitkräfte und Flugabwehr zurück. Im Werk bei Twer wurden deren radioelektronischen Bord- und Waffenlenksysteme ausgetauscht. Den Ingenieuren zufolge sind diese Flugzeuge der einfachen Version MiG-31 um das Dreifache überlegen. Ihre Hauptbestimmung sind der Kampf gegen hochfliegende Spähflugzeuge, strategische Bomber B-52 und B-1, die Ortung von die Grenze verletzenden niedrigfliegenden Flugzeugen. Ein Abfangjäger kann gleichzeitig bis zu zehn Luftziele verfolgen.

Demnächst sollen Angriffshubschrauber Mi-28N „Nachtjäger“ geliefert werden. Diese Hubschrauber sind Könige geringer Höhen, sie können sich vor gegnerischen Ortungsmitteln verstecken und starke Präzisionsschläge gegen Bodenziele führen. Diese Maschinen werden von den Piloten wegen ihrer verstärkten Panzerung, der guten Sicht aus dem Cockpit und der bequemen Steuerung hoch geschätzt.
Zur Übergabe an die russische Armee sind acht All-Wetter-Aufklärungshubschrauber Ka-52 Alligator bereit. Diese einmaligen Kampfhubschrauber mit zwei Rotoren können leichte Panzertechnik, Artillerie, Mannschaften und gegnerische Hubschrauber bekämpfen. Dank fortgeschrittener Avionik und hoher Manövrierfähigkeit sind diese Hubschrauber gut für Aufklärungszwecke und die Steuerung von Hubschrauber-Gruppen geeignet.
Die Marine-Version dieses Hubschraubers – Ka-52K Katran — wird jetzt auf die Tests vorbereitet. Andere Hubschrauber dieser Serie – die Transport- und Kampfhubschrauber Ka-29 — wurden 2017 repariert und verstärkten die Seefliegerkräfte der Baltischen Flotte. Ihr Aufgabenbereich umfasst die Anlandung und Deckung der Marineinfanterie, Feuerunterstützung und Beförderung von Frachten.

2017 wurden dem Verteidigungsministerium einige Militärtransporthubschrauber Mi-8AMTSch Terminator und Rettungshubschrauber Mi-8MTW-5-1 übergeben. Die letzteren sind mit spezieller lichttechnischer Ausrüstung und Nachtsichtgeräten ausgestattet. Piloten aus Chabarowsk übernahmen in diesem Jahr den modernisierten Mi-26 – den weltweit größten in Serie produzierten Hubschrauber. Die riesengroße Maschine bringt Militärs und Frachten auf die Wrangel-Insel und zum Kap Schmidt. Die Piloten der Seefliegerkräfte der Pazifikflotte erschließen einen neuen arktischen Verkehrs- und Angriffshubschrauber Mi-8AMTSch-WA, der an die rauen Wetterverhältnisse des Nordens angepasst ist. Zudem hat das Verteidigungsministerium bei der Holding Russian Helicopter zwei Versuchs-Mehrzweckhubschrauber Mi-38 bestellt, die bis Ende 2019 geliefert werden sollen.

Korvetten und Fregatten
Auch die Flotte hat Zuwachs bekommen. So wurde der Pazifikflotte im Juli 2017 ein relativ großes Kampfschiff übergeben — das Küstenschutzschiff „Sowerschenny“. Die Korvette ist mit Lenkraketen des Antischiffssystems Uran, mit einem 100-mm-Artilleriegeschütz, mit Torpedos, Maschinengewehren und Granatwerfern ausgerüstet. Jede Rakete trägt einen 145 Kilogramm schweren Spreng-Splitter-Gefechtskopf, der zur Vernichtung eines jeden Schiffstyps, auch der Zerstörer, aus einer Entfernung von bis zu 260 Kilometern eingesetzt werden kann.

Die neue Korvette ist ziemlich universal: Sie kann effizient gegen Schiffe und U-Boote kämpfen sowie bei der Anlandung der Marineinfanterie Feuerschutz geben. Das Schiff ist mit dem Fla-Raketensystem „Redut“ ausgerüstet. Und auf dem Heck hat es einen Landeplatz samt einem Hangar für einen Hubschrauber Ka-27. Es sei bemerkt, dass die Pazifikflotte seit dem Zerfall der Sowjetunion kein einziges neues Kriegsschiff erhalten hatte (nur drei leichte Anti-Diversions-Motorboote).
Bekannt ist, dass die russische Marine bis Ende dieses Jahres noch drei wichtige Schiffe erhalten soll, nämlich die neue Fregatte „Admiral Makarow“, das große Landungsschiff „Iwan Gren“ und das kleine Raketenschiff „Wyschni Wolotschok“.
Bei der „Admiral Makarow“ handelt es sich um das dritte Schiff des Projekts 1135.6. Die ersten zwei, die „Admiral Grigorowitsch“ und die „Admiral Essen“, stehen aktuell der Schwarzmeerflotte zur Verfügung. Diese Fregatten haben eine Wasserverdrängung von 4000 Tonnen, können eine Geschwindigkeit von 30 Knoten erreichen und 30 Tage autonom auf hoher See bleiben. Ihre Besatzung beträgt 200 Mann. Zum Waffenarsenal eines solchen Schiffes gehören Marschflugkörper erhöhter Reichweite „Kalibr“ bzw. „Onyx“, ein Raketenkomplex „Schtil“, eine Artillerieanlage, ein Fla-Komplex „Kortik“ sowie mehrere Torpedorohre. Das Schiff ist als Träger für Hubschrauber Ka-31 geeignet.

Das sechste Schiff der „Bujan“-Familie, die „Wyschni Wolotschok“, wird gerade im Schwarzen Meer getestet. Die Schiffe des Projekts 21631 wurden für die Verteidigung der russischen Wirtschaftszone entwickelt. Bei einer relativ geringen Wasserverdrängung verfügen sie über durchaus solide Waffen. Das wichtigste „Argument“ ist in diesem Sinne der Raketenkomplex „Kalibr“. Hinzu kommen die Artillerieanlage A-190 (100-Millimeter-Kaliber) und der Fla-Raketenkomplex „Gibka“.
Das große Landungsschiff „Iwan Gren“ (Projekt 11711) gehört der neuen Generation von Schiffen dieser Klasse an und ist einmalig, weil es die so genannte „kontaktlose“ Landung von Marineinfanteristen und Technik auf „nicht präparierten“ Küsten mithilfe von speziellen Brückenbooten ermöglicht. Das Schiff hat eine Verdrängung von 5000 Tonnen und kann bis zu 300 Marineinfanteristen, 36 Schützenpanzerwagen oder 13 Panzer an Bord nehmen. Zudem gibt es Platz für einen Hubschrauber an Bord. Die Defensivwaffen bestehen aus zwei Sechs-Rohr-Artillerieanlagen AK-630M (30-Millimeter-Kaliber). Das zweite Landungsschiff dieses Projekts, die „Pjotr Morgunow“, wird erst gebaut.

Was kleinere Schiffe angeht, so hat die russische Marine im scheidenden Jahr mehrere Motorboote des Projekts 21980 „Gratschonok“ erhalten, die für Anti-Diversions-Abteilungen und Kampfschwimmer bestimmt sind. Der wasserakustische Komplex eines solchen Motorbootes kann diverse Objekte in der Tiefe orten. Die 30 Meter lange „Gratschonok“ besitzt eine Druckkammer und Anlagen für die Bedienung eines unbemannten Tiefwasser-Tauchgeräts. Das ist also ein richtiger schwimmender Stützpunkt für Taucher.
Darüber hinaus ist in Baltijsk das Schnellboot „Raptor“ eingetroffen, das für den Patrouillendienst geeignet ist. Es ist zwar relativ klein (17 Meter lang und vier Meter breit), kann aber eine Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern erreichen, was für ein Abfangschiff bzw. —boot enorm wichtig ist. An Bord der „Raptor“ gibt es Räume für Inspektions- und Anti-Terror-Gruppen, für Taucher und Rettungskräfte.

Panzer und Schützenpanzerwagen
Auch die Bodentruppen haben in diesem Jahr zahlreiche neue Militärtechnik bekommen: modernisierte Panzer T-72B3, T-80BVM, Schützenpanzerwagen BMP-3 und BTR-82A. Das zuverlässige T-72-Modell erlebt nach einer Modernisierung im Betrieb „Uralwagonsawod“ quasi die zweite „Jugend“. Jetzt wurde es mit allseitigem Schutz und einem neuen Feuerlenksystem ausgestattet. Faktisch hat der T-72 nun Eigenschaften, die denen des T-90-Modells ähnlich sind.
Der Schützenpanzerwagen BMP-3 löst allmählich das BMP-2-Modell ab. Seine Feuerkraft ist wesentlich größer, und zwar dank einer universalen 100-Millimeter-Waffe, die mit lenkbaren und nicht lenkbaren Geschossen schießen kann. Die Maschine hat auch eine automatische 30-Millimeter-Kanone, ein 7,62-Millimeter-Maschinengewehr PKT und ein System zum Abfeuern von Rauchgranaten.
Beim BTR-82A geht es um eine gründlich modernisierte Version des BTR-80-Modells. Unter anderem hat diese Maschine eine mehrschichtige Panzerung aus synthetischen Stoffen. Das unifizierte Kampfmodul hat einen Elektroantrieb und einen 2D-Waffenstabilisator. Die wichtigste Waffe ist dabei die 30-Millimeter-Kanone. Hinzu kommen zwei Maschinengewehre.

Neue Technik haben in diesem Jahr auch die Luftlandetruppen erhalten. Im Auftrag des Verteidigungsministeriums bekamen sie drei Bataillone von Panzerwagen BMD-4M „Sadowniza“ sowie mehr als 60 Schützenpanzerwagen BTR-MDM „Rakuschka“. Im Unterschied zu ausländischen Modellen können diese Maschinen mit der Besatzung an Bord vom Flugzeug abgeworfen werden. Außerdem braucht dieses Modell keine spezielle Vorbereitung zwecks Überwindung von Wasserhindernissen.
Die Spezialkräfte dürfen sich über Panzerfahrzeuge „Taifun“ und „Tigr“ freuen, und die Artilleristen bekamen selbstfahrende Artillerieanlagen „Msta-S“ und „Msta-B“, bodengestützte Stationen für die Artillerieaufklärung „Soopark“ und „Aistjonok“. Einige Truppenteile wurden mit Komplexen „Gruscha“, „Orlan“, „Granat“, „Leer“ und „Forpost“ versorgt, zu denen Drohnen gehören. Viele Luftabwehrabteilungen verfügen ab jetzt über Fla-Raketensysteme S-400 „Triumph“, Fla-Raketen- und Kanonenkomplexe „Panzyr-S1“, über Radarstationen „Podljot-K1“, „Protiwnik“, „Sopka-2“. Im Dezember erwarten die Militärs größere Lieferungen von Mehrfachraketensystemen „Tornado-S“ sowie küstengestützter Raketekomplexe „Bal“ und „Bastion“.

Quelle: Sputnik