Mehrere internationale Wintersport-Verbände, darunter auch die Internationale Eishockey-Föderation und der Internationale Rennrodelverband, haben sich für Zulassung der russischen Nationalmannschaft zu den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang ausgesprochen.
Der deutsche Rodel-Weltverbandschef (FIL) Josef Fendt sprach sich deutschen Medienberichten zufolge gegen einen kompletten Olympia-Ausschluss russischer Sportler aus.
„Wir haben sogar zusätzliche, gezielte Kontrollen bei den Russen gemacht. Da gab es keine positive Fälle. Aus diesem Grund würde ich es nicht richtig finden, das russische Team bei Olympia komplett auszuschließen“, wird Fendt vom „Spiegel Online“ zitiert.
„Wir gehen davon aus, dass alle Russen im Rodeln sauber waren. Und dann werden sie gesperrt, weil andere Idioten etwas gedreht haben“, fügte er hinzu.
Der Präsident des Eishockey-Weltverbandes (IIHF), Rene Fasel, teilt diese Auffassung: „Wir möchten gegenüber dem IOC klar unsere Position zum Ausdruck bringen, dass wir gegen eine kollektive Bestrafung sind, die auf unfaire Weise viele russische Sportler treffen würde, die nichts mit Doping zu tun hatten“. Die Rolle Russlands in der Eishockey-Entwicklung dürfe nicht heruntergespielt werden. Das Land sei eine wichtige Stütze, die das Erbe des Sports trage.
Zudem tritt die Präsidentin der World Curling Federation (WCF), Kate Caithness, gegen eine mögliche Komplettsperre der russischen Sportler auf. „Ich möchte nicht sehen, dass saubere Athleten, egal welcher Nationalität, bestraft werden, wenn sie nichts Falsches getan haben. Aber es ist wichtig, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden“, wird sie zitiert.
Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Russlands (NOK), Alexander Schukow, drückte den internationalen Wintersport-Verbänden seine Dankbarkeit aus:
„Wir bedanken uns bei den Wintersport-Verbänden dafür, dass sie für die Teilnahme der russischen Sportler an den Olympischen Spielen plädieren.“
Zuvor hatten internationale Medien berichtet, dass der Eishockey-Weltverband (IIHF) mehrere Briefe von unterschiedlichen Eishockey-Verbänden bekommen habe. Die Briefe sollen aus den USA, Tschechien, Finnland, der Schweiz und Kanada stammen.
Im Brief der tschechischen Eishockey-Assoziation, der dem russischen Portal „dailystorm“ vorliegt, heißt es, dass Tschechien „gegen die kollektive Bestrafung ohne vorgelegte Beweise“ eintrete.
„Die Olympischen Winterspiele sind ein internationales Eishockey-Topereignis, an dem sich die besten Athleten und Teams beteiligen sollen. Deswegen sind wir der Auffassung, dass das russische Team an den Olympischen Winterspielen 2018 teilnehmen sollte“, geht aus dem Schreiben hervor.
Außerdem äußerte sich dazu der französische Doppel-Olympiasieger im Biathlon Martin Fourcade: „Wenn es bewiesen ist, dass es institutionelles Doping gab und dass alle Sportler in Sotschi davon profitiert haben, sollten diese Athleten nicht nach Pyeongchang fahren“, zitiert ihn die „Rheinische Post“ in ihrer Onlineausgabe. „Sind es nur wenige, dann müssen wir diese Individuen bestrafen und nicht die gesamte russische Nation.“ Er habe zwar den McLaren-Report gelesen, aber „wir wissen nicht mehr, was richtig und was falsch ist“. Es sei ein Fehler, „die Debatte auf Russland zu konzentrieren“.
Das IOC-Exekutivkomitee soll bis zum 5. Dezember über die Teilnahme der russischen Sportler an den Olympischen Winterspielen 2018 im südkoreanischen Pyeongchang entscheiden.
Quelle: Sputnik