Russland und China brauchen einander – und es wäre für sie möglich, in Kooperation mit anderen Ländern an einem „Großen Eurasien“ zu arbeiten. Dieses Projekts könnte allerdings auf einen Widerstand der USA stoßen, wie der russische Politik- und Wirtschaftsexperte Sergej Karaganow vermutet.
In einem Interview mit der Zeitschrift „Expert“ verglich Karaganow das russisch-chinesische Verhältnis mit einem „Militärbündnis ohne formelle Verpflichtungen“. Er prognostizierte, dieses Verhältnis werde „mindestens binnen einem Jahrzehnt“ sehr fest sein.
„Das geht vor allem darauf zurück, dass wir einander brauchen“, so Karaganow. Obwohl ein wirtschaftliches Ungleichgewicht zwischen den beiden Ländern bestehe, werde es zum Teil dadurch aufgewogen, dass China in seiner „fast unvermeidlich zunehmenden“ Konfrontation mit den USA es nötig habe, sich auf Russland zu stützen.
Dabei können die Chinesen nicht umhin, an dieser Konfrontation mit Amerika teilzunehmen, so der Interviewte weiter: „Sie begreifen ausgezeichnet, dass sie in zehn Jahren von ihrer Mächtigkeit her mit den USA gleichziehen, wobei die Rivalität noch stärker werden könnte.“
Wie sich die internationalen Beziehungen künftig gestalten werden, hängt laut Karaganow beispielsweise davon ab, ob ein „großes eurasisches Projekt“ zustande kommt. Bei einem „Großen Eurasien“ würde es sich, wie der Experte erläuterte, um einen gemeinsamen Kooperations-, Entwicklungs- und Sicherheitsraum handeln, den Russland, China und weitere Länder aufbauen könnten.
Diesem Projekt stehe allerdings eine Vielzahl von Schwierigkeiten im Wege:
„Bei asiatischen Ländern kommen immer mehr Widersprüche zum Vorschein, die zuvor von der westlichen Herrschaft gedrosselt worden waren. Ob wir diese Widersprüche lösen können, steht in den Sternen. Es ist nicht auszuschließen (und ich bin sogar davon überzeugt), dass Amerika gegen dieses Projekt spielen wird.“
Wie Karaganow betonte, verliert die gegenwärtige Welt an Stabilität und könnte äußerst gefährlich werden, deshalb sollte eine Alternative dazu geschaffen werden:
„Wird das gelingen? Das hängt von vielen Faktoren ab, doch in erster Linie vom politischen Willen Russlands und Chinas. Und davon, ob wir in der Lage sein werden, Indien, den Iran, Korea, Japan und künftig auch Europa zu diesem Projekt heranzuziehen.“
Eine der grundlegenden Komponenten des eurasischen Projekts wäre nach Ansicht des Experten die Einrichtung eines „Netzwerks von Balancen“ um China herum – mit gegenseitigen Beziehungen, mit Militär- und Wirtschaftsverbindungen, um einen Ausgleich zu China zu schaffen.
Es falle den Chinesen ziemlich schwer, so etwas zu akzeptieren, denn ihr Land sei historisch daran gewöhnt, seine Peripherie sanft zu dominieren: „Doch mittlerweile ist die Peripherie allzu mächtig und riesig – sie erstreckt sich praktisch von Lissabon bis zu Delhi. Es ist eine gute Frage, ob die Chinesen begreifen werden, dass es für sie günstiger wäre, eine zwar führende, aber keineswegs dominierende Rolle zu spielen.»
Quelle: Sputnik