UN-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien beendete seine Arbeit

Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in Den Haag hat nach 24 Jahren am Donnerstag mit einer offiziellen Zeremonie seine Tätigkeit beendet.

Das Tribunal habe „den Opfern eine Stimme gegeben“, sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres.

In rund 24 Jahren standen 161 Angeklagte vor den internationalen Richtern wegen Kriegsverbrechen, Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Balkankrieg der 1990er Jahre. Darunter waren Minister, Generale, Staatschefs, Polizeibosse. Zuletzt sorgte Ende November der bosnisch-kroatische Militärkommandeur Slobodan Praljak für Aufsehen, der sich bei der Verkündung des Urteils in einem Berufungsverfahren durch die Einnahme von Gift das Leben nahm.

Die meisten der verurteilten Mächtigen waren sich ihrer Schuld keinesfalls bewusst. Immer wieder rechtfertigten sie sich. „Das Ende der Straflosigkeit ist das größte Verdienst des Tribunals“, wird der Niederländer Alfons Orie von der Agentur dpa zitiert. Der 70-Jährige war 16 Jahre Richter am Tribunal, zuletzt im Völkermord-Prozess gegen den serbischen Ex-General Ratko Mladić.

Das Tribunal war im Mai 1993 durch eine Resolution des UN-Sicherheitsrats ins Leben gerufen worden. In den vergangenen Jahren bekleidete der Belgier Serge Brammertz das Amt des Chefanklägers.

In seinem letzten großen Verfahren hatte das Den Haager Tribunal in einem weltweit beachteten Urteil den ehemaligen bosnisch-serbischen General Ratko Mladić wegen Völkermordes und Verbrechens gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt.

Quelle: Sputnik