In ihren Berichten zur nationalen Sicherheit befassen sich die US-Geheimdienste mit allem Möglichen: China, Russland, Iran, Saudi-Arabien… Nur etwas sehr viel Wichtigeres verlieren die Strategen aus den Augen – den Klimawandel, wie die Zeitschrift „Foreign Policy“ schreibt.
Klimawandel, das sind nicht einfach nur verdorrte Ackerflächen und steigender Meeresspiegel. Umweltkatastrophen, die auf Klimaverwerfungen zurückgehen, lösen auch Migrationswellen aus, in denen selbst die reichsten Länder der Welt untergehen könnten, so das Blatt.
Die Massenflucht sei eine der schlimmsten Folgen des Klimawandels. Sie könne gar die Demokratie in den westlichen Ländern gefährden, einschließlich der USA.
„Diese Gefahr ist inzwischen offensichtlich: Die Wut auf illegale Migranten in den Vereinigten Staaten hat eine maßgebliche Rolle bei der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten gespielt. Und in Europa hat dieser Faktor die Zukunft der Europäischen Union in Frage gestellt“, schreibt „Foreign Policy“.
Selbst wenn man die direkten Auswirkungen von Flucht und Migration erstmal beiseitelässt, sei klar, dass die Interessen der Vereinigten Staaten in Europa dadurch gefährdet seien:
„Im besten Fall ergreifen die Länder der EU innen wie außen strenge Kontrollmaßnahmen, was den Untergang der Demokratie bedeuten könnte. Im schlimmsten Fall aber versinkt Europa in einem ethnisch-religiösen Konflikt. Und dieser würde die Grundlage für das wichtigste geopolitische, wirtschaftliche und ideologische Bündnis Amerikas zerstören. Dadurch würde die Nato entweder überflüssig oder sie würde in einen Bürgerkrieg hineingezogen werden“, so die Zeitschrift.
Doch als ob es diese Gefahr nicht gäbe, haben die letzten vier US-Präsidenten nichts Wesentliches dagegen unternommen, schreibt das Blatt. Und die Trump-Administration weigere sich, diese Bedrohung überhaupt erst als solche wahrzunehmen: von der Liste der Gefahren für die nationale Sicherheit des Landes sei der Klimawandel gestrichen worden.
Geleugnet werde die globale Erderwärmung indes nicht, weil es etwa bewiesen sei, dass sie nicht stattfinde – sondern allein aus Überzeugung. Vereinzelte Stimmen innerhalb der US-Eliten warnen zwar weiterhin vor den Folgen des Klimawandels. Doch versinken sie laut dem Blatt in einem Chor der Konservativen, der vor alten Sicherheitsrisiken warnt, die längst an Bedeutung verloren haben.
Die Verantwortlichen in den USA würden sich den Kopf zerbrechen über Chinas Hegemonie im Fernen Osten oder über Russlands Einfluss in Europa, „während sie es zulassen, dass die globale Erderwärmung die Vereinigten Staaten auf anderen Wegen in die Isolation treibt“, so das Blatt.
Diese Unfähigkeit, neue Herausforderungen zu erkennen und ihnen zu begegnen, hätten größtenteils die US-Geheimdienste verschuldet, schreibt „Foreign Policy“: Die Nachrichtendienste der Vereinigten Staaten seien schon immer auf traditionelle Gefahren ausgerichtet gewesen – um mit neuen Bedrohungen umzugehen, fehle ihnen die Erfahrung.
Angesichts dieser Lage sei es die größte Aufgabe der Umweltbewegung, weitere Aufklärungsarbeit zu leisten. Nur wird kein einziger „liberaler Weltbürger“, wie das Blatt schreibt, die Konservativen von der drohenden Gefahr des Klimawandels überzeugen können.
Die einzige Einrichtung, die das dafür notwendige Vertrauen bei den US-Konservativen genießt, sei… die US-Armee. Ein US-amerikanischer Soldat werde keine Probleme haben, die Menschen seines Landes von drohenden Gefahren zu überzeugen, so „Foreign Policy“. Allein die US-Armee habe das Potential, eine Schlüsselrolle bei der Mobilisierung der US-Bürger im Kampf gegen den Klimawandel zu spielen und die innenpolitischen Gräben in den USA zu schließen, die inzwischen nicht nur das politische System des Landes, sondern die Demokratie an sich gefährden.
Quelle: Sputnik