Es scheint, als habe der ukrainische Raketenhersteller Yushmash erfolgreich Geld aus den USA bekommen – mit durchaus hinterfragenswerten Methoden. Yushmash hatte gedroht, seine Fachleute in den Iran oder nach Nordkorea gehen zu lassen.
Von Viribus Unitis
Yushmash war 2017 in der Kritik, weil die nordkoreanischen Raketenstart-Erfolge (Hwasong-12 und 14) einem Technologietransfer aus der Ukraine (also vom staatlichen Unternehmen Yushmash) nach Nordkorea entsprungen sein sollten. Die US-Zeitung New York Times berichtete ausführlich über diese mutmaßlichen Verbindungen.
In einem Interview mit dem ukrainischen TV-Kanal „Pryamoi“ teilte der Bürgermeister von Dnepopetrovsk, Boris Filatov, dem Hauptsitz des Raketenherstellers Yushmash, mit, er habe US-Politiker unter Druck gesetzt, damit dem hoch verschuldeten und mit zu wenigen Aufträgen dastehenden Raketenhersteller von Seiten der USA geholfen werde: „Ich hatte eine nicht sehr angenehme Konversation mit einigen sehr hochrangigen amerikanischen Politikern. Ich werde nicht sagen mit wem. Ich habe denen einfach gesagt, wenn die Dinge weitergehen wie bisher, werden diese Leute (gemeint die Raketenentwickler) im Iran oder Nordkorea enden. Ist es das, was Sie wollen?“
Diese Erpressung scheint gewirkt zu haben. Bezogen auf die momentane Situation bei Yushmash meinte der Bürgermeister, es sei nun „leichter“. Denn: „Vor dem war es einfach hoffnungslos und kathastrophal schlecht. Und für uns, unglücklicherweise, sie wissen ja wie es ist – wenn man jemanden dafür die Schuld gibt, dann dem Präsidenten, dem Bürgermeister oder dem Regional-Gouverneur.“
Die EU ist der engste Verbündete der Ukraine. Man darf sich fragen: Ist dieses Vorgehen mit der EU abgesprochen? Diese Erpressung der USA, wobei der Erpressung bei Nichterfüllung der Forderung auch Taten folgen werden – logischerweise. Hat die EU – Mogherini oder einer ihrer Mitarbeiter – dieser Raketen-Entwicklungspersonal-Entsendung nach Nordkorea bereits zugestimmt – wenn die Trump-USA den Forderungen nicht nachkommen?
Würde der Yushmash-Direktor so hart mit den USA verhandeln, würde er das wagen, so zu drohen, ohne Rückendeckung durch die EU?
Die EU lässt Yushmash bewusst im Stich. Yushmash produziert Raketen und die ESA könnte diese kaufen, tut es aber nicht. Für Raketen gibt es gewisse Gewichtsklassen und die Yushmash-Raketen decken genau jene Gewichtsklasse, die die Ariane 5 nicht abdecken kann. Deshalb kauft die ESA von Russland (sic! – nicht der Ukraine) Raketen des Typs Soyus 2b zu, um mit ihnen die Starts in dieser Gewichtsklasse umzusetzen. Auch für dieses Jahr – 2018 – sind wieder Sojus-Starts durch die ESA (European Space Agency) geplant.
Die Europäer halten sich aus dem Yushmash-Desaster raus, und es ist nicht abzusehen, ob sie jemals bei Yushmash Raketen bestellen würden. Andere bestellen – nur leider zu wenig, um Yushmash in die schwarzen Zahlen zu bringen – würden die Europäer auch bestellen, sähe die Sache schon anders aus.
Ausgerechnet aus Russland (sic!) gibt es eine Bestellung für eine Zenit-2SLB, die gerade in Bau ist. Für Indien werden Raketen- Triebwerke (Flüssigtreibstoff) getestet, und mit dem südkoreanischen South Korean Korea Aerospace Research Institute gibt es eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Raketenteilen.
Die Ukraine arbeitet mit vielen, nur nicht mit Europa und mit der ESA. Europa und der ESA ist es erfolgreich gelungen, jedwede Form von finanzieller und technologischer Verbindung mit der Ukraine in diesem Bereich zu vermeiden.
Quelle: Contra Magazin