Heute starteten im russischen Badeort Sotschi am Schwarzen Meer die Friedensgespräche in Sotschi, welche als Nachfolge-Runde für die Gespräche in Astana gelten. Hauptakteure sind Russland, der Iran und die Türkei, die bereits federführend die Astana-Gespräche prägten. Der Syrien-Beauftrage der Vereinten Nationen Staffan de Mistura bemängelte bereits im Vorfeld des Friedensgipfel, dass westliche Vertreter sowie wichtige Oppositionsgruppen nicht anwesend seien. Ins gleiche Horn blasen auch die westlichen Leitmedien, die bereits jetzt die Gespräche als gescheitert betrachten. Doch gescheitert ist der Westen mit dem Versuch den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad zu stürzen, was man seit sieben Jahren versuchte. Zuerst mit Oppositionsgruppen und «gemäßigten Rebellen», die man im Zuge des «arabischen Frühlings» unterstützte. Später dann mit fundamentalistischen Terroristen wie die Terrormilz «Islamischer Staat» oder die Al-Nusra-Front.
Nachdem die beiden Terrormilizen so gut wie geschlagen sind, hat der Westen nicht mehr viele Möglichkeiten in Syrien zu intervenieren, um ihr Ziel zu erreichen. Das Ziel ist und war immer nur eines gewesen: Präsident Assad zu stürzen, um ihn dann über eine Marionette zu ersetzen. Dafür war dem Westen jedes Mittel recht. Mit dem Westen ist vor allem die US-Koalition, Israel und Saudi-Arabien gemeint, die den syrischen Staat nicht direkt angreifen wollten, sondern durch Gemeinschaftsunternehmen wie ISIS oder Al-Nusra zu stürzen. Als Gemeinschaftsunternehmen oder Joint Venture ist finanzielle, materielle und personelle Unterstützung der Terrormilizen gemeint, die faktisch aus dem Nichts auf einmal große Teile des Landes ab 2014 erobert haben. Vor allem jene Teile des Landes, die reich and Öl- und Gasfeldern sind. Beispielsweise Palmyra, wo man medial sich über die Zerstörung antiker Bauten echauffierte, aber sich hinterrücks freuten, dass man nun verlässliche Partner hatte, um sich an den Rohstoffen zu bereichern.
Allerdings hatte sich Ende 2016 mit der Befreiung von Aleppo und sowie durch die wiederholte Rückeroberung von Palmyra im Jahre 2017 das Blatt gewendet und die Befreiung der Provinz Deir ez-Zor gezeigt, dass das Joint Venture «Islamischer Terrorismus» gescheitert ist. Bis heute werden Waffen und Giftgas aus westlicher und israelischer Herstellung von syrischen Behörden sichergestellt. Ein Skandal, der ebensowenig in westlichen Medien Platz hat, wie die Verhandlungsergebnisse von Friedensgesprächen in Astana und jetzt aktuell in Sotschi. Und wenn doch, dann werden diese Gespräche klein oder schlecht geredet.
Russland lädt zu einem zweitägigen Friedensgipfel für Syrien nach Sotschi. Präsident Wladimir Putin will die Gelegenheit nutzen, um sich als Friedensstifter zu inszenieren. Allerdings steht die Konferenz unter keinen guten Vorzeichen: Wichtige Oppositionsgruppen kommen nicht. Zudem verschärften das russische und syrische Militär ihre Angriffe auf die von Aufständischen kontrollierten Gebiete in Syrien, resümiert «Spiegel Online» , was aber auch nicht mehr sonderlich überrascht.
In Sotschi versucht Russland alle zerstritten Oppositionsgruppen zu versammeln, um eine nachhaltige Friedensordnung zu schaffen. Eine Friedensordnung, die auch nur mit Präsident Assad möglich ist. Bereits während den Astana-Runden konnten russische Militärs des russischen Versöhnungszentrums weit über 1000 Waffenstillstandsvereinbarungen mit den einzelnen Gruppierungen erreichen. Darüber wird täglich vom russischen Verteidigungsministerium Bericht erstattet, ebenso wie über die humanitären Hilfsaktionen, die ebenso an der Tagesordnung stehen. Problematisch bei diesen Verhandlungen ist sicherlich der Alleingang der Türkei gegen die Kurden in Afrin, wobei auch hier zu berücksichtigen ist, dass die Kurden ebenso wie die Dschihadisten des IS und der Al-Nusra (inzwischen Hay´at Tahrir asch-Sham) die treusten Verbündeten der USA und Israel sind, die aus gemeinsamen und auch unterschiedlichen Motiven die syrische Regierung stürzen wollen. Die USA, aber auch England und Frankreich, wollen sich vor allem die Rohstoffe im Land zu eigen machen. Und Israel sieht neben seinem Expansionsinteresse vor allem den iranischen Einfluss in Syrien als Gefahr an, der vor allem durch die Hisbollah-Miliz am Bodensieg Syriens einen großen Anteil daran trägt, dass der IS nicht mehr die Oberhand in Syrien hat.
Zweifelsohne hatte der Einsatz der russischen Luftwaffe einen Bärenanteil am Sieg der syrischen Bodentruppen gegen ISIS und Al-Nusra. Und die russische Luftabwehr zeigte auch, dass die amerikanische Luftwaffe in Syrien nicht viel ausrichten konnte. Im April wollten die USA unter dem Vorwand der Giftgas-Lüge sich durch Bombenterror wieder zurück ins Spiel bringen, allerdings scheiterte dieser Versuch an der russischen Luftabwehr und US-Präsident Trump lenkte mit seiner aggressiven Nordkorea-Politik von diesem gescheiterten Versuch ab. Ohnehin meinte Trump bereits im Januar 2016, dass er in Astana mitmischen könne, doch Russland, der Iran und auch die Türkei zeigten Geschlossenheit und die USA mussten sich am Ende nur mit einer Beobachterrolle zufrieden geben. Die US-Truppen sind an der Grenze Jordanien faktisch von syrischen Truppen eingekreist und könnten jederzeit vollständig aus dem Land gejagt werden, indem sie nicht verloren haben und auch nie was verloren hatten. Amerika nimmt in Syrien keiner mehr ernst, allenfalls noch die versprengten Terrorgruppierungen und vereinzelte Oppositionsgruppen, die man noch mit Dollars und Waffen versorgt.
Was die Amerikaner und ihre Verbündeten jetzt noch können, das ist auf Zeit spielen und blockieren, wo es nur geht. Eine direkte Niederlage im Syrien-Krieg wird man nicht offiziell zugeben wollen und auch nicht dürfen. Man wird sich nun am typischen Verhaltensmuster halten und über die Medien Lügen gegen Russland, den Iran und die Türkei streuen und immer wieder auf Verfehlungen hinweisen. Den IS wird man jetzt nach Afghanistan verlegen, um dort seine Präsenz weiter zu rechtfertigen, nachdem dieser auch im Irak gescheitert ist.
Interessant wird noch die Rolle der Türkei sein, die im Norden beider Länder gegen die Kurden kämpfen, um dort weiter ihre Expansionsinteressen zu verfolgen. Die Türkei wandte sich 2016 klugerweise vom Westen ab, nachdem man selbst am Gemeinschaftsunternehmen «Islamischer Terrorismus» versuchte den syrischen Präsidenten zu stürzen. Nun bekämpft man im Norden den «kurdischen Terrorismus», der als Gefahr für die Türkei erblickt werde. Und gerade die kurdischen Milizen aus SDF, YPG oder anderen Gruppierungen werden noch als die einzigen Partner des Westens in Syrien und im Irak verbleiben, um sich noch ein paar Krümel aus dem syrischen Kuchen herauszupicken.