Russland übernimmt Europas Gasmarkt

So viel Erdgas wie im vergangenen Jahr hat der russische Gaskonzern Gazprom noch nie nach Europa geliefert – nicht einmal zu Sowjetzeiten. Weit mehr als ein Drittel des europäischen Gasverbrauchs kommt inzwischen vom Staatskonzern aus Russland.

Rund 195 Milliarden Kubikmeter des wertvollen Brennstoffs haben die Europäer 2017 aus Russland bekommen – 8,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Das ist ein absoluter Rekord in der Geschichte der russischen (und ehemals sowjetischen) Gaswirtschaft, teilte Gazprom-Vize Alexander Medwedew bei einem Treffen mit Investoren in New York mit.

Damit ist auch der Anteil von Gazprom am europäischen Gasmarkt gewachsen – von 33,1 auf 34,7 Prozent. Wohlgemerkt: 2012 deckte Gazprom nur 26 Prozent des Gasverbrauchs in der EU.

Auch auf lange Sicht will der russische Staatskonzern seine Position ausbauen: Um das Eineinhalbfache soll der russische Gasexport in die EU bis 2035 steigen. Tritt diese Vorhersage ein, bekommt Europa dann bis zu 459 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Russland – und Gazprom einen Marktanteil von bis zu 41 Prozent.

Die Zunahme der Gaslieferungen im letzten Jahr begründen Experten durch mehrere Faktoren: Tiefe Temperaturen, niedriger Gaspreis und der schrittweise Ausstieg Deutschlands aus dem Kohle- und Atomstrom.

Maßgeblich ist dabei auch, betonen Marktkenner und Analysten, die Wettbewerbsfähigkeit von Pipeline- gegenüber Flüssiggas.

Mittels der Gasleitungen könne Gazprom Nachfragespitzen in der EU umgehend bedienen, sagte der russische Volkswirt Jewgeni Izakow. „Außerdem hat der russische Konzern die notwendigen Vorräte und Förderkapazitäten, die es in Norwegen oder den Niederlanden zum Beispiel nicht gibt.“

Quelle: Sputnik