So kann China das US-Militär stoppen

China braucht kein eigenes Militär, um das US-Militär zu stoppen und dessen Einsatzfähigkeit massiv zu behindern. Peking hat ein Ass im Ärmel.

Von Marco Maier

Erinnern Sie sich noch daran, wie US-Präsident Donald Trump im April letzten Jahres insgesamt 59 Tomahawk-Raketen auf einen Militärflughafen in Syrien abfeuern ließ, nachdem die syrische Regierung ohne Beweise vorzulegen beschuldigt wurde, einen Giftgasangriff auf Khan Sheikhun durchgeführt zu haben? Damals gastierte Chinas Präsident, Xi Jinping, zum Abendessen in Mar-a-Lago, dem Resort Trumps in Florida.

Danach sagte Trump: «Ich saß am Tisch. Wir hatten eben zu Abend gegessen. Nun hatten wir ein Dessert. Wir hatten das wunderschönste Stück Schukoladenkuchen das man jemals gesehen hatte. Und Präsident Xi genoss es. Man gab mir die Nachricht der Generäle, dass die Schiffe gesichert und geladen seien. Was soll man tun? Und wir fassten den Entschluss es zu tun. So waren die Raketen auf dem Weg. Und ich sagte: ‘Herr Präsident, lassen Sie mich etwas erklären… wir haben eben 59 Raketen abgefeuert… in Richtung Syrien und ich möchte, dass Sie das wissen’.» Daraufhin gefragt, wie Präsident Xi reagierte, sagte Trump: «Er hielt für zehn Sekunden inne und fragte dann den Übersetzer, dies zu wiederholen.»

Nun sollte man bedenken, dass China und Syrien faktisch Verbündete sind. Die Chinesen geben der Assad-Regierung diplomatische, militärische und wirtschaftliche Unterstützung. Peking nutze seine Veto-Macht mehrere Male um Syrien zu unterstützen. Und dann, als Trump Xi und dessen Frau zum Abendessen einlud, ließ er während des Desserts quasi Xis Freunde bombardieren.

Trump wollte den Chinesen damit eigentlich eine Nachricht schicken und mit dieser «Kanonenboot-Diplomatie» Peking dazu drängen, die Schrauben gegenüber Nordkorea weiter anzuziehen. Auch wollte er die Chinesen dazu drängen, in Sachen Handelspolitik Änderungen zugunsten der Amerikaner durchzuführen. Doch sein (übrigens völkerrechtswidriges) Syrien-Feuerwerk war nichts weiter als eine hohle Geste. Denn: Ohne China hätte Trump eigentlich gar keine Raketen, die er auf Syrien abfeuern könnte.

Die US-Regierung täte nämlich gut daran, den chinesischen Drachen nicht zu sehr zu provozieren. Nicht etwa unbedingt deshalb, weil die chinesische Volksbefreiungsarmee in den letzten Jahren deutlich an Kampfkraft zugenommen hat und das Reich der Mitte auch eine Atommacht ist, sondern vielmehr weil die Volksrepublik quasi Monopolist bei vielen seltenen Erden ist und den Export dieser Rohstoffe auch nach eigenem Gutdünken reglementieren kann. Und ohne diese Materialien haben die Tomahawk-Raketen kein Leitsystem mehr – und viele andere technisch höchstsensible Geräte zu bauen wäre gar nicht möglich, insbesondere die moderne Militärtechnik.

Egal on nun die ständigen US-Provokationen im Südchinesischen Meer oder die Drohungen mit einem Handelskrieg – je mehr Washington versucht, den Peking ans Bein zu pinkeln, umso eher wird man dort dazu Bereit sein, einen solchen Schritt zu setzen. Trumps Machogehabe imponiert den Chinesen überhaupt nicht. Auch die Drohungen der US-Administration, China aus dem Dollar-System zu kicken, sind welche, die in Peking nicht gerade für Besorgnis sorgen. Immerhin ist China der größte Auslandsgläubiger der Vereinigten Staaten und wenn die Chinesen keine US-Bonds mehr kaufen – wer dann? Es wäre zwar ein schwerer Schlag gegen die chinesische Volkswirtschaft, doch vielmehr wäre es ein Schuss der Amerikaner ins eigene Knie.

Quelle: Contra Magazin