Ein französischer Energiekonzern darf sechs Atomreaktoren in Indien bauen. Außerdem vereinbarten die Staats- und Regierungschefs engere militärische Zusammenarbeit.
Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron waren auf Staatsbesuch in Indien. Bei einem Treffen mit dem indischen Ministerpräsident Narendra Modi gemeinsam mit Wirtschaftsvertretern beider Länder haben beide Länder eine umfassende Kooperation beschlossen: Indien und Frankreich wollen in den Bereichen Verteidigung, Weltraumforschung, Energie- und Klimapolitik stärker zusammenarbeiten, außerdem einigte man sich auf milliardenschwere Aufträge für französische Nuklear-, Transport- und Luftfahrtunternehmen.
Nach Aussagen von Macron und Modi werden beide Länder ihre Marinestützpunkte im indischen Ozean füreinander öffnen und sich bei der Ausrüstung von Kriegsschiffen behilflich sein. Dieser Schritt wird als eine Reaktion auf die Versuche Chinas angesehen, seinen Einfluss in der Region auszuweiten. «Ein Großteil unserer Sicherheit und der weltweiten Stabilität entscheidet sich im Indischen Ozean», sagte Macron am Samstag bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem indischen Regierungschef in Neu-Delhi. Ebensowenig wie der Pazifik dürfe der Indische Ozean zu einem «Ort von Hegemonie» werden. Frankreich ist unter anderem durch sein Übersee-Département La Réunion in der Region vertreten.
Das wichtigste Wirtschaftsabkommen zwischen beiden Ländern betrifft den Bau eines Atomkraftwerks mit sechs Reaktoren im westindischen Jaipur. Der staatliche französische Energiekonzern EDF soll die Planung der beiden ersten Druckwasserreaktoren übernehmen, bei vier weiteren würden dann auch indische Unternehmen zum Zug kommen. Mit einer Gesamtleistung von zehn Gigawatt wäre das Atomkraftwerk in Jaipur das größte der Welt und würde den Energiebedarf von gut fünf Millionen Haushalten decken. Die Kosten des Projekts sowie technische Details wurden zunächst nicht genannt, ein detaillierter Vertrag soll bis zum Jahresende unterzeichnet werden. Kritiker bemängeln, dass sich das Atomkraftwerk in einer Erdbebenregion befinden würde. Ein ähnliches Abkommen aus dem Jahr 2010 war an Streitigkeiten über Landrechte und an Protesten von Umweltaktivisten gescheitert.
Bereits unterschrieben wurden Aufträge für französische Firmen im Wert von 13 Milliarden Euro. Rund zwölf Milliarden Euro davon entfallen auf einen Deal zwischen dem französischen Triebwerkshersteller Safran und der indischen Billig-Airline SpiceJet. Safran soll Triebwerke an SpiceJet liefern und sie instand halten. Der Zughersteller Alstom wird Fahrzeuge im Wert von 75 Millionen Euro mit U-Bahn-Unternehmen in den Großstädten Jaipur, Mumbai und Chennai liefern.
Quelle: Zeit