Ein Kommentar von Klaus Hartmann.
Dass Präsidentschaftswahlen in den USA dem deutschen Publikum über ein Jahr lang medial präsentiert werden, sind wir ja gewohnt. Die politische Botschaft ist auch nicht schwer zu entschlüsseln: Hier findet die wahre Demokratie statt, das ist auch für uns der „Leuchtturm der Freiheit“, um an das klassische Wort des früheren Schauspieler-Präsidenten Reagan zu erinnern. Und natürlich sollen uns solche Glanzlichter unseres „wichtigsten Verbündeten“ heimleuchten, damit wir nie vergessen, auf welcher Seite wir zu stehen haben.
Und auf welcher nicht: Auf der Seite des „Reichs des Bösen“! (Noch ein Klassiker, den man besagtem Reagan in eine Rede geschrieben hat, 1983 war das). Der Böse ist immer der Russ, war schon immer so, im ersten Weltkrieg, dann nach der Oktoberrevolution und bis heute: „jüdische Bolschewisten“, „slawische Untermenschen“, „gottlose Kommunisten“ – oder heute „der Staat Gasprom“ (Spiegel) des „Machtmenschen Putin“ (ZDF): irgendwie frappierend — die Verpackung wechselt, das Feindbild bleibt gleich. Man erinnert sich an die Horror-Gemälde führender US-Militärs der letzten Jahre: „Russland sei für die USA eine „existenzielle Bedrohung“, der „Hauptfeind“, „schlimmer als der IS oder Ebola“.
Zum Stichwort Wahlen gehört für die antirussische Propaganda-Internationale inzwischen fast zwanghaft das weitere Stichwort Wahleinmischung, anknüpfend an die immer noch nicht verwundene Niederlage der Kriegsverbrecherin Hillary Clinton. Ihre Sponsoren, Militaristen, Regime-Change-Spezialisten haben es im Verbund mit sogenannten „liberalen“ Medien geschafft, dass schon der Gedanke an normale Beziehungen zu Russland den Verdacht des Hochverrats hervorruft.
Die ehemalige Russland-Korrespondentin der ARD, Gabriele Krone-Schmalz meinte kürzlich in einem Interview, mittlerweile seien geradezu hysterische Zustände zu erkennen, wenn es darum gehe, sich der Dämonisierung Russlands entgegenzustellen. In den USA sei es mittlerweile so schlimm, dass „jeder Kontakt“ zu Russland sofort unter einen „Generalverdacht“ gestellt werde. „Die McCarthy-Ära lässt grüßen“.
Dass die Präsidentschaftswahlen in Russland unter den entsprechenden Vorzeichen kommentiert werden, kann niemanden überraschen. Ihnen wird eine (im Vergleich zu US-Wahlen zwar geringe, aber) für hiesige Verhältnisse schon bemerkenswerte mediale Aufmerksamkeit zuteil. „Der Sieger wird Putin heißen“, da sind sich die Medien ziemlich einig. In der „Welt“ heißt es bloß „Putins Wahl-Show“, im „Spiegel“: „Russland sucht den Superzar“. Witzig!
Der „deutsch-französische Kulturkanal“ arte präsentiert abendfüllend die „Generation Putin“, „Propaganda 3.0“ (damit meinen sie nicht sich selbst, sondern:) „Putin und der Westen“, „Moskauer Medienkrieg“; und schließlich kann auch dieser vermeintliche Qualitätssender nicht umhin, die ZDF-Hetz-„Dokumentation“ namens „Machtmensch Putin“ nochmals zu recyceln.
Das Treffen Putins mit dem französischen Präsidenten Macron „wird von einem Verdacht überschattet“, weiß arte. Sogenannte Trolle im Internet oder Hacker gelten selbstredend als vom Kreml kontrolliert oder gesteuert. Mit etwas zeitlichem Abstand darf dann ein Experte äußern, es sei „kontraproduktiv“, im Westen Putin als allmächtig darzustellen, das spiele ihm nur in die Hände. Ja, was jetzt?
Die arte-Autoren lassen voll Genugtuung Macron mit seiner Unverschämtheit zu Wort kommen: „Mein Umgang mit ausländischen Journalisten ist vorbildlich. Aber sie müssen sich wie Journalisten verhalten. RT und Sputnik haben sich wie Propagandaorgane der Desinformation und der lügnerischen Propaganda verhalten“. Leider wurde er nicht befragt, ob er dabei Unterschiede zu seinem „Radio France Internationale“ erkennt. Oder zu „Voice of Amerika“, „Radio Free Europe/Radio Liberty“ oder auch zum deutschen Regierungssender „Deutsche Welle“.
In den hiesigen Medien sieht man unter den sieben Gegenkandidaten Putins übereinstimmend „keine ernstzunehmende Alternative zu Putin“. Von Sergej Baburin, Pawel Grudinin, Grigorij Jawlinskij, Wladimir Schirinowskij, Xenia Sobtschak, Maxim Surajkin und Boris Titow erfährt man sogar ihre Namen selten bis nie, von Inhalten ganz zu schweigen…
Quelle: KenFM