Russlands Militärstrategen setzen auf zielgenaue Blitzschläge gegen Führungs- und Kommunikationszentren, Waffenlager, Stützpunkte und Industrieanlagen. Dieses Konzept ist eine echte Gefahr für die Nato, schreibt der Militäranalyst Dave Majumdar im Fachblatt „The National Interest“.
Russlands neue Militärstrategie sieht den Einsatz hochtechnologischer Drohnen, weltraumgestützter Systeme und präziser Lenkwaffen im Verbund vor, um dadurch das „Nervensystem“ und die Versorgung des Gegners zu treffen, schreibt der Experte.
Das Gefährlichste dabei sei die Vernetzung russischer Aufklärungs- und Analysezentren mit automatischen Kampfsystemen. Dies ermöglicht es laut Majumdar, das Zeitfenster zwischen dem Eingang neuer Aufklärungsdaten und der Zielvernichtung um den Faktor zwei bis zweieinhalb zu reduzieren. Die Treffgenauigkeit der Waffensysteme erhöht sich um das Eineinhalb- bis Zweifache.
Seine Analyse stützt der Experte auf eine Präsentation des russischen Generalstabschefs Valeri Gerassimow auf einer Fachkonferenz in der Militärakademie des russischen Generalstabs. Dabei verweist Majumdar auf die Entwicklung einer russischen Fernaufklärungsdrohne – gemeint ist offensichtlich das russische UAV „Orion“.
Das Fluggerät kann bis zu 24 Stunden in der Luft bleiben und auf einer Höhe von bis zu 7,5 Kilometern mit rund 200 Stundenkilometern patrouillieren. So sammelt die Drohne Echtzeitdaten über Truppenbewegungen am Boden, übermittelt diese an die eigenen Streitkräfte und leitet beispielsweise das Artilleriefeuer ins Ziel.
Der US-Militärexperte Samuel Bendett stimmt seinem Kollegen zu:
„Das große Problem für die Nato und die USA ist, dass Russland durch die Umsetzung seiner Strategie befähigt ist, Präzisionsschläge gegen die Infrastruktur der Allianz vorzunehmen, auch gegen Luftwaffenbasen.“
Der russische Generalstabschef Valeri Gerassimow hatte im November letzten Jahres erklärt, die russischen Streitkräfte hätten hochpräzise Waffensysteme mit großer Reichweite in bereits ausreichender Zahl erhalten. Damit seien Präzisionsschläge auf eine Entfernung von bis zu 4.000 Kilometern möglich. Es handele sich vor allem um die taktischen Systeme Iskander-M, Kalibr und Ch-101. Zudem stünden in allen strategisch wichtigen Richtungen Trägerplattformen für diese Waffensysteme bereit – zu Wasser, zu Lande und in der Luft.