
Arkadi Babtschenko, ein in der Ukraine lebender russischer Staatsbürger und Journalist, wurde am Dienstag in der ukrainischen Hauptstadt getötet. Seine Frau fand ihn mit einer Schusswunde und rief noch den Rettungsdienst. Er starb im Krankenwagen auf dem Weg ins Krankenhaus.
Die ukrainische Polizei sieht die journalistischen Aktivitäten Babtschenkos als das «erste und offensichtlichste» mögliche Motiv hinter dem Mord.
Der Premierminister der Ukraine, Wladimir Groisman, warf Russland Beteiligung an der Ermordung des russischen Journalisten vor. Diese Version insbesondere mit Hinweis auf Babtschenkos kreml-kritische Berichterstattung griffen auch auch zahlreiche Medien bereits vor jeglichen Untersuchungen auf.
Auch der britische Außenminister Boris Johnson, der erst kürzlich seine Voreingenommenheit gegenüber Russland in einem Scherzanruf kundtat, sah sich veranlasst, den Mord per Twitter zu verurteilen, gepaart mit einem Aufruf, die Meinungsfreiheit zu verteidigen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Appalled to see another vocal Russian journalist, Arkady Babchenko, murdered. My thoughts are with his wife and young daughter. We must defend freedom of speech and it is vital that those responsible are now held to account.
— Boris Johnson (@BorisJohnson) May 30, 2018
Die Voreingenommenheit von Johnson wird nur noch vom Deutschen Journalisten Verband (DJV) übertroffen:
https://twitter.com/DJVde/status/1001763988638662656
Sergei Lawrow, der russische Außenminister, nannte diese Art der Vorverurteilung Russlands, welche in Mode gekommen sei, «traurig». Dabei könnten die ukrainischen Stellen womöglich mit völliger Straffreiheit von ihren westlichen Partnern rechnen. Die Ukraine benötige die westlichen Berater, um russlandfeindliche Ansichten zu fördern.
Der russische Senator und Medienmacher Alexei Puschkow kommentierte per Twitter die Versuche, den Mord mit oppositionellen Positionen Babtschenkos in Verbindung zu stellen und mahnte, man solle schauen, wem der Mord wirklich nütze.
Уже начались попытки связать убийство Бабченко с его оппозиционностью Кремлю. Очень похоже на новую кровавую провокацию. Ищите, кому выгодно
— Алексей Пушков (@Alexey_Pushkov) May 29, 2018
In einem weiteren Beitrag fragte Puschkow, warum die Polizei einige Stunden vor dem Mord zu dem Haus gekommen war, in dem Babtschenko wohnte, ob sie dabei nach Aufnahmen von Kameras gesucht oder diese gar unterbunden hätte. In solchen Fällen gebe es kaum zufällige Begebenheiten.
Der Kiewer Polizeichef Andrej Krischenko sagte der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine, dass auch andere Versionen untersucht werden sollten. Selbstmord habe die Polizei bereits ausgeschlossen.
Das ukrainische Innenministerium hat eine Zeichnung des Verdächtigen in Zusammenhang mit dem Mord an Babtschenko veröffentlicht.
В‘ячеслав #Аброськін: На цей час складений фоторобот підозрюваного у вбивстві Аркадія Бабченка. Встановлюються свідки та обставини події. На місці події працює слідчо-оперативна група, оперативні підрозділи апарату Національноі поліції, а також ГУНП в Києві pic.twitter.com/wTxLRwfKgp
— МВС України (@MVS_UA) May 29, 2018