Ein ehemaliger Mossad-Chef hat in einem Interview verraten, wie vor sieben Jahren ein neuer Krieg im Nahen Osten um ein Haar begonnen hätte: Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu soll im Jahr 2011 dem Militär den Befehl gegeben haben, innerhalb von 15 Tagen einen Angriff gegen den Iran vorzubereiten.
Tamir Pardo war von 2011 bis 2015 Leiter des israelischen Geheimdienstes Mossad. In einem Interview für den TV-Sender Keschet erinnerte er sich laut der Agentur AP an den Befehl Netanjahus. Er habe sofort gewusst, dass das keine Übung gewesen sei.
„Wenn er (Netanjahu – Anm. d. Red.) dich bittet, den Countdown zu beginnen, dann weißt du, dass er keine Spiele mit dir spielt“, zitiert ihn AP. „Diese Sachen haben eine enorme Bedeutung.“
Als er den Befehl erhalten habe, einen Militärangriff vorzubereiten, habe er zunächst versucht, alles Mögliche darüber zu erfahren.
„Ich fragte bei Rechtsberatern nach. Ich fragte jeden, den ich nur fragen konnte, um zu verstehen, wer befugt ist, einen Krieg zu beginnen.“
Denn er habe sichergehen wollen, dass er sich schließlich nicht in einer Situation wiederfinden würde, einen illegalen Einsatz durchgeführt zu haben.
Aus dem vorab veröffentlichen Ausschnitt des Interviews wird laut AP nicht klar, was nach dem Befehl passiert sei. Bekannt ist allerdings, dass Israel 2011 den Iran nicht angegriffen hat.
Auch der israelische Ex-Premier Ehud Barak, der im Jahr 2011 Verteidigungsminister war, hatte laut AP früher bestätigt, Netanjahu habe den Iran damals bomben wollen. Seine Pläne seien jedoch am Widerstand hochrangiger israelischer Beamten gescheitert.
Israel betrachtet den Iran als Erzfeind. Netanhaju hatte einmal vor der UN-Generalversammlung gesagt, der iranische Präsident Hassan Rohani sei ein „Wolf im Schafspelz“.
Vor dem Hintergrund des Ausstiegs der USA aus dem Iran-Atomabkommen scheint sich die Lage zugespitzt zu haben. Vor wenigen Wochen hatte Israel iranische Positionen in Syrien angegriffen.