Die EU sorgt für die nächsten Migrationswellen

In der EU stört man sich vor allem daran, dass Wirtschaftsmigranten aus Afrika kommen, jedoch faktisch kaum tatsächlich Asylberechtigte. Aber: Unsere Wirtschaftspolitik trägt doch eine Mitschuld daran.

Von Marco Maier/Contra Magazin

Die europäischen Politiker sind doch völlig bekloppt: Auf der einen Seite kritisiert man die Tatsache, dass es sich bei den meisten afrikanischen Asylbewerbern in Wirklichkeit um Wirtschafts- und Armutsmigranten handelt, auf der anderen Seite jedoch sorgt die EU-Handelspolitik doch genau für solche Entwicklungen. Das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den afrikanischen Ländern, welches derzeit von Brüssel vorangetrieben wird, macht die Sache zudem nicht besser. Ganz im Gegenteil: So schafft sich die EU nur neue Migrationswellen für die Zukunft.

Klar, angesichts der nach wie vor prekären wirtschaftlichen und finanziellen Lage einiger EU-Staaten erofft man sich einerseits auch die Erschließung neuer Absatzmärkte auf jenem Kontinent, dessen Bevölkerung sich bis zum Jahr 2100 verdoppeln soll – doch andererseits ist es wieder einmal typisch, dass dieses Abkommen eigentlich nur den Interessen der Konzerne dient, nicht jedoch jenen der Menschen selbst. Weder in Afrika noch in Europa.

Das heißt: Tritt dieses Abkommen in Kraft, sorgt dies für weitere Umwälzungen in den dortigen Volkswirtschaften und zu einer Schwemme mit (durch Steuergelder subventionierte!) europäischen Produkten, gegen die die lokalen Produzenten preislich und qualitativ kaum Chancen haben. Damit ruiniert man die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen, die dann ihre Rettung in der Migration nach Europa suchen. Dabei wäre ein stärker auf die Interessen der afrikanischen Bevölkerung ausgerichtetes Freihandelsabkommen längerfristig für die Europäer sogar sinnvoller und besser.

Diese Länder brauchen keine klassische «Entwicklungshilfe» und kein ausbeuterisches «Freihandelsabkommen», sondern vor allem wirtschaftliche Perspektiven und Wachstumsmöglichkeiten, damit die Massenmigration aus ökonomischen Gründen irgendwann auch ein Ende findet. Zudem sorgt die wirtschaftliche Stärkung dieser Länder dafür, dass man sich künftige kaufkräftige Konsumenten schafft – was beispielsweise die Volksrepublik China mit dem gewaltigen Investitionsprogramm dort ja bereits versucht. Aber da müssen auch die Europäer ran, weil das bisherige Wirtschafts-/Handelsmodell genau für das Gegenteil sorgt.