Der Kapitän des deutschen Schlepperschiffes «Lifeline», Claus-Peter Reisch, beschrieb die Situation an Bord seines Schiffes während der Fahrt zwischen Malta und Libyen am Montag. Das Schiff treibt mit 234 aufgelesenen Migranten an Bord vor der libyschen Westküste umher.
https://youtu.be/7faiDcglN4o
Italien weigert sich, die Migranten aufzunehmen. Dessen Innenminister schlug vor, dass Frankreich seinen Hafen in Marseille für das Schiff öffnen solle, da die französische Regierung mehrfach den moralischen Finger in Richtung Italien erhoben hatte. Italien hatte erklärt, nicht weiter «Europas Flüchtlingscamp» spielen zu wollen und dem «Menschenhandel über dem Mittelmeer ein Ende setzen» zu wollen, indem es keine NGO-SchlepperSchiffe, die Migranten auf dem Mittelmeer aufgelesen haben, mehr aufnimmt.
«Die französische Ministerin [Nathalie Loiseau, Ministerin für europäische Angelegenheiten] ist ignorant in dem Sinne, dass sie die Situation dieses Schiffes mit einer unbekannten Flagge in den Gewässern einer anderen ignoriert, das die Signale sowohl der libyschen als auch der italienischen Küstenwache ignoriert hat, also wie ein Verbrecherboot agiert. Für mich sollte es überall dort, wo es anlegt, beschlagnahmt und die Besatzung verhaftet werden, genau das sollte in einem zivilisierten Land geschehen. Ich bin erstaunt über diese Unfreundlichkeit der Franzosen, die ihren Worten nach zu schließen die Besten der gesamten Union sind. Also wäre es doch eine nette Geste, den Hafen von Marseille für dieses Boot zu öffnen. Wir wissen nicht, warum es in Italien anlegen soll, wenn es nichts mit Italien zu tun hat», so der italienische Innenminister Matteo Salvini. Wie nun bekannt wurde, kann das Schiff möglicherweise in Malta anlegen. AFP zitiert den französischen Regierungssprecher Benjamin Griveaux, dem zufolge ein Anlegen auf Malta im Gespräch sei. Frankreich sei angeblich bereit, Menschen von dem Schiff aufzunehmen.
Das Schlepperschiff Lifeline, das von einer gleichnamigen deutschen Nichtregierungsorganisation betrieben wird, irrt nun in den fünften Tag auf See umher. Bisher hatten sich Italien, Spanien und Malta geweigert, das Boot anlegen zu lassen.