Die Festung Europa ist an Spaniens Südgrenze schon lange Realität. In den nordafrikanischen Exklaven Melilla und Ceuta stehen seit Jahren Zäune. Selbst messerscharfe Klingen wurden angebracht, um allzu wagemutige Kletterer aus Nordafrika abzuschrecken. Die Migranten kommen trotzdem. Mehr als 600 von ihnen überwanden das Bollwerk in Ceuta allein am Donnerstag. Weit mehr strandeten in den vergangenen Wochen direkt an Spaniens Mittelmeerküste. Bislang wurden dort in diesem Jahr fast 18.000 irregulär angekommene Migranten gezählt.
Spanien scheint gerade der neue Hotspot für Zuwanderer aus Afrika zu werden. Das schürt neue Ängste. Im Stile anderer europäischen Hardliner wie Deutschlands AfD-Mann Alexander Gauland oder Italiens Innenminister Matteo Salvini warnte Pablo Casado, der Chef der spanischen Konservativen, am Sonntag vor „Millionen Afrikanern“, die auf die Iberische Halbinsel kommen könnten. Er warf der sozialistischen Regierung um Ministerpräsident Pedro Sánchez vor, mit ihrer liberalen Politik für den Anstieg der Flüchtlingszahlen verantwortlich zu sein. Sánchez erklärte sich in den vergangenen Wochen mehrfach bereit, Schiffe mit Migranten an Bord, die Italien nicht mehr ansteuern durften, in spanischen Häfen anlegen zu lassen.