Der Journalist, Autor und Nahost-Experte Manuel Ochsenreiter bereist seit mehr als zehn Jahren die Krisenregion in Nahost, wo er neben ranghohen Politikern auch Milizen und Kämpfer traf, die den Quds-Briden zugerechnet werden.

Die Ermordung des iranischen Generalmajors Qassem Soleimani in der irakischen Hauptstadt Bagdad führt auch in Europa zu Irritationen. Viele Konservative und Rechte klatschen reflexhaft Beifall für US-Präsident Donald Trump, der den Anschlag auf Soleimani befohlen haben soll. In zahlreichen Kommentaren ist – mal wieder – vom „Mullah-Regime“ Iran die Rede, vom „Terror-General“, der nur das bekommen habe, was er verdiene.
Doch Geopolitik ist zu kompliziert für eine solch schlichte Sicht auf die Welt. Die USA haben mit diesem Anschlag kräftig an der Eskalationsschraube gedreht. Und sie haben einen Mann ermordet, der auch für uns Europäer viel Gutes geleistet hat.
Generalmajor Soleimani war vor allem für sein Engagement in Syrien bekannt. Als die Situation für die syrische Regierung immer schlechter wurde und die oft ausländisch koordinierten, trainierten und bezahlten radikal-sunnitischen Terrorbrigaden wie beispielsweise die sogenannte „Freie Syrische Armee“ und später auch der sogenannte „Islamische Staat“ auf dem Vormarsch schienen, schlug die Stunde Soleimanis und seiner Quds-Brigaden. In strategischer Zusammenarbeit mit den Streitkräften Rußlands gab er der syrischen Regierung Waffenhilfe und trug entscheidend dazu bei, daß sich das Blatt auf dem syrischen Kriegsschauplatz wendete.
Generalmajor Soleimani hat zur Stabilisierung in Syrien entscheidend beigetragen. Seine Truppen haben die Terrorbrigaden in Syrien erfolgreich bekämpft. Die USA haben einen Mann getötet, der dafür gesorgt hat, daß weniger Terroristen nach Europa einsickern. Das war im Interesse Europas – vor allem auch im Interesse Deutschlands.
Die USA tragen kaum ein Risiko durch die Ermordung Soleimanis. Im Falle eines Krieges in der Region werden die Flüchtlingsmassen (inklusive Terroristen) nicht etwa in die USA, sondern nach Europa strömen. Die USA haben damit – wieder einmal – die Sicherheitslage für Europa erheblich verschärft.
Die USA sind keine Verbündeten für Europa. Egal, wer im Weißen Haus gerade regiert. Sie stellen ein Sicherheitsrisiko dar. Für alle Europäer. Es wird Zeit, daß die europäischen Regierungen handeln.
Manuel Ochsenreiter ist Chefredakteur des Deutschen Nachrichtenmagazins ZUERST!, wo dieser Beitrag zuerst erschienen ist.