Das Hauptmerkmal jeder Krise ist, dass sie Schwächen aufweist.
Das Opfer der Coronavirus-Pandemie ist ein globalisiertes Wirtschaftskonzept mit Schwerpunkt in den USA. Das teilte der amerikanische Analyst, Wirtschaftsexperte Neil Irwin, in einer Publikation für The New York Times mit.
Ihm zufolge muss man verstehen, dass die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise nur ein Teil der Konsequenzen ist, mit denen man konfrontiert sein wird. Der Experte betont, dass die Krise Trends hervorbringt, die sich über Jahre hinweg erstrecken und die Welt in die unvorhersehbarsten Richtungen treiben.
«Wer hätte gedacht, dass die Krise, die 2007 mit Hypothekenausfällen in den amerikanischen Vororten begann, 2010 zur Finanzkrise in Griechenland führen würde? Oder dass der Zusammenbruch des Aktienmarktes in New York im Jahr 1929 zum Aufblühen der Nazis in Europa in den 1930er Jahren beitragen wird», stellt der Autor fest. Er ist zuversichtlich, dass die Welt die Folgen der Coronavirus-Pandemie noch einige Jahre beobachten wird, wobei wahrscheinlich ein globales Wirtschaftsmodell entsteht, das sich völlig von dem bestehenden unterscheidet.
«Krisen können Probleme hervorheben, die in guten Zeiten ignoriert werden, z.B. Globalisierung», fährt Irwin fort.
«Die Idee einer von den Vereinigten Staaten geführten Weltwirtschaft ist bereits im Zusammenhang mit der Stärkung Chinas und der Hinwendung Amerikas zum Nationalismus zusammengebrochen. Es gibt Anzeichen dafür, dass die COVID-19-Krise diese Veränderungen verschärfen und möglicherweise festigen wird.»
Als Beweis wies der Ökonom auf ein Dekret des französischen Finanzministers hin, die Lieferketten zu überprüfen, um die Abhängigkeit von China und anderen asiatischen Ländern auszuschließen. Der US-Zoll und der Grenzschutz sagten wiederum, dass sie den Export von medizinischer Versorgung beschlagnahmen werden. Dem Autor zufolge wird das globalistische Konzept der Wirtschaft durch die Bildung regionaler Handelsblöcke ersetzt.
Die staatlichen Behörden werden wiederum darauf bestehen, die inländische Produktion bestimmter Produkte wie Arzneimittel und medizinischer Geräte auszuweiten.