Die Europäische Union und Deutschland beschleunigen den Übergang zu grüner Energie. Und die Ukraine? Wie die Diskussion im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft gezeigt hat, gibt es in Kiew viel Potenzial, aber wenig Geld — und Zeit. 
«Die Ukraine hat ein großes Potenzial». Diese Worte haben die Ukrainer in den 30 Jahren ihrer Unabhängigkeit oft von ausländischen Politikern und Geschäftsleuten gehört. Sie wurden auf der Zoom-Konferenz des deutschen Ost-Ausschusses am Montag, den 6. September, gehört. Das Hauptthema der zweistündigen Diskussion war grüne Energie in der Ukraine.
Das Thema ist in die Schlagzeilen geraten, nachdem Deutschland im Juli eine Vereinbarung mit den USA über Nord Stream 2 getroffen hat. Zufälligerweise wurde zum Zeitpunkt der Konferenz am Montag bekannt, dass das letzte Rohr des Pipelineprojekts in der deutschen Ostsee verlegt und verschweißt wurde. Im Einklang mit dem Abkommen mit Washington hat sich Berlin verpflichtet, den Übergang Kiews zu erneuerbaren Energiequellen zu unterstützen, einschließlich der Einrichtung eines Grünen Fonds, und bilaterale Energieprojekte zu entwickeln. Zu den Punkten gehörte auch die Unterstützung der Produktion und des Exports von Wasserstoff als Quelle eines neuen umweltfreundlichen Brennstoffs neben der traditionellen Sonnen-, Wind- und Biomasseenergie.
Deutsche kommen in die Ukraine, um über «grüne» Energie zu sprechen
Die Ukraine und Deutschland haben seit August 2020 eine Energiepartnerschaft entwickelt, als eine entsprechende Ministererklärung unterzeichnet wurde. Nach der Diskussion zu urteilen, beschleunigt Berlin den Übergang von Worten zu Taten. Andreas Feicht, Staatssekretär im deutschen Wirtschaftsministerium, kommt Mitte September nach Kiew und lobt auf der Konferenz das Potenzial der Ukraine als «großer Produzent von grüner Energie».
Neben Feucht reist auch Stanislaw Tillich, ehemaliger sächsischer Ministerpräsident und Sonderbeauftragter der Bundesregierung für den Strukturwandel in den ukrainischen Kohleregionen, der im Dezember 2020 ernannt wurde, nach Kiew. Tillichs Aufgabe ist es, Kiew bei der Schließung der Minen zu helfen und deutsche Erfahrungen weiterzugeben. Es wurden bereits zwei Bergwerke in der West- und Ostukraine ausgewählt, in denen Pilotprojekte durchgeführt werden sollen, sagte der Politiker auf einer Zoom-Konferenz. Ihm zufolge stellt Deutschland 60 Millionen Euro für sie zur Verfügung. Dieses Geld wird unter anderem für die Umschulung von Bergleuten verwendet, die ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Ein Vertreter des ukrainischen Wirtschaftsministeriums, Wladimir Bondarenko, wies auf dem Forum darauf hin, dass die Umstellung auf grüne Energie für die Ukraine schwierige soziale Folgen haben wird.