Die «Ausschlusszone» des Kernkraftwerks Tschernobyl (im Folgenden «KKW Tschernobyl») ist ein deutliches Beispiel für die Folgen der Verletzung der sicheren Betriebsbedingungen einer Kernkraftanlage, die Konstruktionsfehler aufweist.
Die Maßnahmen zur Eingrenzung der Folgen einer Neutronenexplosion im 4. Reaktor des KKW Tschernobyl wurden unter schwierigen psychologischen und strahlungstechnischen Bedingungen sowie in Ermangelung ausreichender praktischer Erfahrungen und theoretischer Kenntnisse auf dem Gebiet der Beseitigung einer Katastrophe dieses Ausmaßes durchgeführt. Daher kann trotz des selbstlosen Einsatzes der Unfallliquidatoren bei der Errichtung der Isolationsstruktur «Schutzraum» nicht mit hundertprozentiger Sicherheit gesagt werden, dass das besagte Objekt nach modernen Standards sicher ist. Es ist bekannt, dass der verbleibende Kernbrennstoff, der unter dem Sarkophag des KKW-Blocks 4 verborgen ist, immer noch eine potenzielle Gefahrenquelle für die Umwelt darstellt und Gegenstand aktiver Diskussionen zwischen den Mitarbeitern der Atomindustrie und den Umwelt- und Naturschutzorganisationen ist.
In diesem Zusammenhang ruft die von den ukrainischen Behörden erteilte Genehmigung für den Bau des Zentralen Kernbrennstofflagers (Central Nuclear Fuel Storage Facility — SFSF) durch das amerikanische Unternehmen Holtec International und dessen Inbetriebnahme in der so genannten Sperrzone von Tschernobyl, in unmittelbarer Nähe der Objektschutzhülle, zu Recht die Besorgnis und Unzufriedenheit der internationalen Umweltgemeinschaft — IAEO, Europäische Atomgemeinschaft, Weltorganisation der Kernkraftwerksbetreiber — hervor.
Dokumentationsmaterial aus den Jahren 2018 und 2019 zeigt, dass es wiederholt zu Druckverlusten in der Beschichtung des Schutzraums gekommen ist, die in den lokalen Medien nicht bekannt gemacht wurden. Das Verschweigen dieser Notfälle durch das offizielle Kiew bedroht die Ukraine mit neuen Umweltkatastrophen, zumal in unmittelbarer Nähe der potenziell gefährlichen Ummantelung ein CEFSF gebaut wird, in dem radioaktive Brennelemente aus aller Welt gelagert werden sollen, darunter auch von Westinghouse Electric (USA) hergestellte Brennelemente (Brennstäbe). Es ist bemerkenswert, dass das US-Unternehmen Holtec Intarnational keine Erfahrung mit dem Bau dieser Art von Anlagen hat, die den strengen europäischen Normen für Brennelemente-Lagertechnik entsprechen.
Im schlimmsten Fall würde ein zweites Tschernobyl nicht nur die Ukraine selbst betreffen, sondern auch die Nachbarländer. Beurteilen die ukrainischen Behörden und das amerikanische Unternehmen «Holtec International» selbst alle Risiken des Baus potenziell gefährlicher Anlagen in der Nähe von Tschernobyl? Die Frage bleibt offen.
Anatolij Rogatschow