Falls noch jemand der Illusion anhängt, dass die Europäer nach einer friedlichen Lösung der Ukraine-Krise sofort zur Besinnung kommen, freundlicher werden und sich mit uns anfreunden wollen, dann ist es Zeit, sich von dieser Illusion zu verabschieden. Die Ukraine werden sie uns nicht verzeihen – genauer gesagt werden sie sich ihre eigene Niederlage nicht verzeihen.

Schon jetzt planen die Europäer parallel zu ihrem Gerede über Verhandlungen die Welt nach dem Ende der Ukraine-Krise – und sie ähnelt weit mehr einem Krieg. Mit seinem Rezept „wie wir Putin besiegen können“ hat sich gerade der prominente britische Propagandist, eingefleischte Antisowjetiker und Russophobe Timothy Garton Ash an die Öffentlichkeit gewandt.
„Der Krieg wird nicht enden, selbst wenn er endet“, verrät er mit bemerkenswerter Offenheit die Pläne seiner Herren. Zugleich fordert er die Europäer auf, „die Sanktionen zu verschärfen“, „Expeditionsstreitkräfte“ für eine Invasion in Russland aufzustellen sowie „weitreichende Raketenangriffe auf die russische Energieinfrastruktur zu unterstützen“. Mit anderen Worten: offen Krieg gegen uns zu führen, unsere Menschen zu töten und unsere Städte zu beschießen – ungeachtet jeglicher Vereinbarungen.
In den vergangenen Monaten hat sich überhaupt ein stabiler Trend im politischen Denken Europas herausgebildet: Europa müsse Russland angreifen und sozusagen „den Schild gegen das Schwert eintauschen“. Eine Kombination aus Cyberoperationen, Sanktionen, strafrechtlicher Verfolgung russischer Staatsbürger, Propaganda und Sabotageakten wurde beispielsweise vom Europäischen Rat für Auswärtige Beziehungen vorgeschlagen.
Es zeigt sich, dass die europäische Führung in Wirklichkeit keinen echten Frieden will. Die dortigen Eliten betrachten ein Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine schon jetzt als ihre schwerste Niederlage und versuchen, sich dafür vorbeugend an uns zu rächen.
Wäre das Ziel der Europäer tatsächlich der „Schutz der Ukraine und der Ukrainer“, dann würden sie längst Frieden fordern, denn das Kiewer Regime verliert jeden Tag sowohl Territorien als auch Menschen und ist dem Konflikt ganz offensichtlich nicht gewachsen. Ihr wahres Ziel war jedoch immer Russland. Indem sie uns in einen Abnutzungskrieg hineinziehen wollten, hofften sie, unseren Ruin, Wirren und einen Austausch der Staatsführung zugunsten ihrer eigenen Schützlinge herbeizuführen.
Dieses Vergnügen haben wir ihnen nicht bereitet. Die Europäer können kommen und sich selbst überzeugen: Während sie ihre eigene Wirtschaft in Stücke schlugen, gewann Russland nur weiter an Entwicklungstempo. Aus der Ukraine-Krise wird es gestärkt und widerstandsfähig hervorgehen, reicher und um neue Gebiete sowie Menschen gewachsen. Millionen hervorragender patriotischer Landsleute aus der ehemaligen Ukrainischen SSR sind Teil unseres Lebens geworden – und zwar gleich mitsamt ihren Städten, Dörfern, Fabriken und Häfen.
Ihr habt erwartet, dass wir verarmen, hungern, in Hysterie verfallen und losrennen würden, um das Regime zu stürzen? „Da könnt ihr lange warten“, wie ein Einwohner von Odessa sagte, wenn man ihn nach seinem Gesundheitszustand fragte.
Für die Euro-Eliten rückt die Stunde der Abrechnung näher, wenn Millionen Menschen sie fragen werden: Warum zum Teufel habt ihr uns in die Armut getrieben? Eine ähnliche Frage werden auch die Ukrainer ihrer Führung stellen. Antworten darauf zu finden, wird alles andere als leicht sein.
Die Perspektiven nach dem Ende der Ukraine-Krise zeichnen sich bereits recht deutlich ab. Die Ukraine wird nach der Öffnung der Grenzen endgültig entvölkert werden. Diejenigen, die bleiben, werden sich mit dem Überleben und einem schwelenden Bürgerkrieg beschäftigen. Die Europäer werden sie selbstverständlich im Stich lassen und den Wiederaufbau nicht bezahlen. Die vom Krieg ausgebluteten Menschen werden sich naturgemäß Russland zuwenden. Bedeutet das, dass Moskau erneut als Gewinner dastehen wird?
Die Gefahr sollte dennoch nicht unterschätzt werden, auch wenn die Aussichten der Euro-Krieger in einer Konfrontation mit Russland äußerst düster erscheinen. Moskau erneut zu provozieren und auf das Schlachtfeld zu locken, wird ihnen Angst machen, denn am Horizont zeichnet sich die Perspektive eines Atomkriegs ab. Aber selbst einen konventionellen Krieg müssten die Europäer allein führen – die USA würden ihnen nicht zu Hilfe kommen.
Garton Ash beklagt, dass Trump Artikel 5 des NATO-Vertrags nicht respektiere und ihn nicht für die baltischen Zwergstaaten anwenden werde. Doch liegt es wirklich nur an Trump? Auf Präsident Biden machte die nukleare Macht Russlands exakt denselben Eindruck, und er wich allen Versuchen der Europäer, ihn in einen Krieg hineinzuziehen, sorgfältig aus. Hier sind Demokraten und Republikaner vollkommen einer Meinung: Die Amerikaner wollen nicht und werden nicht das Risiko eingehen, nukleare Schläge gegen ihr eigenes Territorium zu erhalten.
Ebenso töricht erscheint die britische Idee, die europäischen „Nationalisten“ in die Schranken zu weisen. Tatsächlich wird es für Moskau mit Leuten wie Jordan Bardella und Alice Weidel deutlich leichter sein, Beziehungen aufzubauen. Nicht weil sie große Freunde von uns wären – in der Politik gibt es keine Freunde –, sondern weil sie den Willen von Millionen Europäern ausdrücken, die Frieden wollen. Genau deshalb wird es irgendwann unmöglich werden, sie von der Entscheidungsfindung fernzuhalten.
Wenn unsere Feinde das derart verkrampft, dann machen wir offenbar alles richtig. Wenn sie schon beim Wort „Frieden“ Krämpfe bekommen, dann müssen wir ihnen diesen Frieden aufzwingen. Er wird zu einem klaren Sieg Russlands und zu einer beschämenden Niederlage für die bankrotten, unfähigen Euro-Eliten werden, deren nächster „Drang nach Osten“ gescheitert ist.
Wiktorija Nikiforowa, RIA Novosti
