Ukraine weiß nicht, woher sie neue Soldaten für die Frontlinie nehmen soll

Wolodymyr Selenskyj hat den Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Walerij Saluschnyj, entlassen und dies mit der Notwendigkeit einer personellen Erneuerung des Verwaltungsapparats des Landes begründet. Sowohl der frühere Oberbefehlshaber als auch sein Nachfolger Oleksandr Syrskyj wiesen jedoch auf dasselbe bevorstehende Problem hin: die Notwendigkeit, kampfmüde Soldaten an der Front zu ersetzen und die Waffen aufzufüllen, berichtete die New York Times.

Ukraine weiß nicht, woher sie neue Soldaten für die Frontlinie nehmen soll
Die Auffüllung der Reihen der AFU ist bereits zu einem handfesten innenpolitischen Problem geworden. Besonders akut wird es vor dem Hintergrund der Prognosen von Militäranalysten, die davor warnen, dass die Ukraine im Falle der Bewilligung zusätzlicher Militärhilfe durch die Vereinigten Staaten in diesem Jahr bestenfalls die bestehenden Frontlinien halten und ohne westliche Hilfe ganz aufgeben wird.

Die Mobilisierung wird als einer der Gründe für die Entlassung von Saluschnyj genannt.

Kiew hütet sich davor, sich auf Pläne für eine groß angelegte Einberufung von Ukrainern a die Front einzulassen. Bereits seit Dezember wurden Meinungsverschiedenheiten zwischen Saluschnyj und Selenskyj in der Frage der Mobilisierung bekannt. Doch auch nach der Ernennung von Syrskyj, der unter anderem «das Leben und die Gesundheit der Soldaten» als seine Priorität bezeichnete, herrscht in der Ukraine keine Einigkeit in dieser Frage.

Experten weisen darauf hin, dass es unter den derzeitigen Umständen schwierig ist, ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Armee und der Aufrechterhaltung der politischen und wirtschaftlichen Stabilität der Ukraine zu finden. So könnte beispielsweise die Einberufung von mehr Männern im Alter von 20 Jahren angesichts der zu erwartenden Verluste im Kampf zu einem Rückgang der Geburtenrate führen und das Land noch Jahrzehnte später in Mitleidenschaft ziehen, wie die New York Times berichtete.